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Esperanto und Ido

Was ist Esperanto ?

Esperanto ist eine sog. Plansprache. Solche Plansprachen entstehen im Gegensatz zu den üblichgen "Muttersprachen" nicht ganz natürlich im Laufe der Jahrtausende, sondern werden meist von Wissenschaftlern ganz gezielt geplant und entwickelt. Das Ziel dabei ist es, die Sprachbarrieren zu brechen. Menschen der ganzen Welt sollen sich problemlos verständigen können.

Die Idee der Plansprache stammt aus Zeiten, in denen Englisch noch nicht die Quasi-Weltsprache war. Die Einführung einer Weltsprache scheiterte nicht zuletzt daran, dass man sich nicht einigen konnte, welche das sein soll. Also musste eine neue, neutrale Sprache her. Die sollte aber besonders leicht zu erlernen sein. Also sah man davon ab, jedes Wort komplett neu zu erfinden, sondern orientierte sich an bereits vorhandenen und populären Sprachen.

Esperanto besteht aus einfachen Wortstämmen, die verschiedenen Sprachen entlehnt sind, wie vor allem Latein, Italienisch, Spanisch, Portugiesisch, Französisch, Englisch und Deutsch. Einige Worte entstammen dazu noch aus slawischen Sprachen, wie Russisch oder Polnisch, sowie aus dem Griechischen. Aus den Wortstämmen werden durch das Anhängen bestimmter Buchstaben die Worte gebildet. Dabei wird eine feste und immer gleichbleibende Regel eingehalten. So endet z.B. jedes Substantiv auf den Buchstaben 'o' und die Mehrzahl immer auf 'i'. Verben enden in der Grundform ebenfalls auf 'i'. Sie kennen keine Personen (ich, du, er-sie-es,wir,ihr,sie) und enden in der Gegenwartsform immer auf 'as'. Es gibt nur je eine Vergangenheitsform (Endung 'is') und eine Zukunftsform. (Endung 'os'). Die Befehlsform endet auf 'u' und die Bedingungsform auf 'us'. Somit gibt es nur 6 grundlegende Verbformen. Durch die Endung 'o' entsteht das substantivierte Verb. Substantive sind in der Grundform geschlechtslos, daher benötigt man auch nur einen Artikel, nämlich 'la'.

Die neue Sprache wurde also logisch aufgebaut und man verzichtete von vorn herein auf jegliche schwer zu erlernenden Ausnahmen, wie z.B. unregelmäßige Verben. Auch die Grammatik wurde einfach gehalten. Also werden Verben nur auf eine Art konjugiert. Substantive kennen keine unterschiedlichen Fälle.

Beispiel - 'lerni' (lernen).

Esperanto Deutsch
lerni lernen (Grundform des Verbs)
mi lernas, vi lernas, ni lernas ich lerne, du lernst, wir lernen (in der Gegenwart)
mi lernis ich lernte / ich habe gelernt (in der Vergangeneit)
mi lernos ich lerne / ich werde lernen (in der Zukunft)
vi lernus du lerntest / du würdest lernen
lernu lerne (Befehlsform)
la lerno Das Lernen (Substantiv)
la lernanto, la lernantino Der oder die Lernende (Substantiv)
lernante lernend (Adverb)

Esperanto ist nicht die einzige und auch nicht die erste Plansprache. Sie ist aber bei weitem die populärste. Eine moderne Fassung von Esperanto ist mehr oder weniger bekannt unter dem Namen "Ido". Dies ist ein Esperanto-Wort und heißt "Abkömmling". Man hat die Sprache Esperanto quasi einer Reform unterzogen und daraus Ido entwickelt. Jedoch konnte sich die Neufassung nicht gegen die bereits sehr beliebte Originalfassung durchsetzen. Mehr darüber weiter unten.

Kurze Esperanto-Geschichte

Dr. Ludwik Lejzer Zamenhof veröffentlichte 1887 in Warschau unter dem Pseudonym "Doktoro Esperanto" die Grundlagen der Sprache. Da eine solche Sprache sich erst durch den gemeinsamen Gebrauch entwickeln muss, beschränkte er seinen anfänglichen Vorschlag auf eine Minimalgrammatik und einen recht kleinen Wortschatz. So war seine Veröffentlichung auch nicht viel mehr, als eine Broschüre.

Ins Deutsche übersetzt ist "Esperanto" das substantivierte Adverb "Hoffender" - vermutlich abgeleitet von der Silbe "hof" im Namen des Doktors. Er hielt es wohl für besser, wenn er nicht unter seinem echten Namen schrieb. Schließlich war er "nur" Augenarzt und gehörte somit nicht unmittelbar zum erlauchten Kreise der Sprachenwissenschaftler. Ursprünglich nannte er sein Projekt Lingvo Internacia" - also "Internationale Sprache" auf Esperato. Später nannte man die Sprache dann "Esperanto" nach seinem Erfinder.

Anlässlich der Weltausstellung 1900 in Paris wurde eine Delegation ins Leben gerufen, deren Aufgabe darin bestand, eine der zu dieser Zeit schon bekannten Plansprachen als internationalen Hilfssprache anzunehmen und zu fördern. Als im Jahre 1907 diese Delegation auf weit über 1000 Personen (vorzugsweise Gelehrte und Kaufleute) angewachsen war, wurde aus deren Mitte eine Kommission gewählt, die vor allem aus Sprachforschern bestand. Darunter der deutsche Chemiker und spätere Nobelpreisträger Wilhelm Ostwald als Vorsitzender, der dänische Sprachwissenschaftler Otto Jespersen und der französische Linguist und Esperantist Marquis Louis de Beaufront.

Die Kommission sollte unter den bestehenden Plansprachen eine auswählen und fördern. Aber im Grunde war es eine Esperanto-Kommission, denn Esperanto hatte schon weltweit sehr viele Anhänger und war richtig poulär. So konnten sich andere bzw. neuere Sprachen wie z.B. Ido nicht durchsetzen und Esperanto gewann den Titel als Welthilfssprache und die Förderung durch die Delegation.

Auf Initiative Zamenhofs entstand dann auch die erste internationale Sprachgemeinschaft, die das Esperanto pflegte, weiterentwickelte und für diverse Zwecke anwendete. So war die Sprache gut für internationale Brieffreundschaften, später auch für internationale Treffen, Amateurfunk und sonstigen fernmündlichen Verkehr. Manche Zeitung wurde in Esperanto gedruckt. Bald gab es auch die erste Radiosendung in Esperanto. Heute findet die Plansprache auch Anwendung in den modernen Medien einschließlich Internet. Vor allem das Internet half nennenswert bei der Verbreitung. So gab es in den Jahren nach 1990 einen deutlichen Anstieg der Esperanto-Landesverbände und Esperanto-Sprecher.

Anfänglich bestand Esperanto aus rund 1000 Wortstämmen, die sich bereits zu zigtausend Wörtern zusammensetzen ließen. Im Laufe der Zeit hat sich die Plansprache zu einer vollwertigen Sprache entwickelt und wird heute von einigen Millionen Menschen beherrscht oder zumindest verstanden. Dafür sorgten nicht zuletzt über hundert internationale Esperanto-Organisationen. Unter denen die größte ist der Esperanto Weltbund (Universala Esperanto-Asocio). Die modernen Esperanto-Wörterbücher enthalten bis zu 20.000 Wortstämme. Das genügt für die Bildung von vielen Millionen Begriffen. Und die Sprache entwickelt sich noch ständig weiter...

Über Esperanto wurde viel diskutiert, problematisiert, polemisiert... Einige politische Regimes sahen sich veranlasst, die Sprache zu verbieten. Am bekanntesten ist wohl das Beispiel Nationalsozialismus. Da Zamenhof Jude war, wurde die von ihm erfundene Sprache von Hitler als Sprache der Juden verdammt.

Heute streiten sich die Gelehrten darüber, ob man Esperanto gar als Muttersprache bezeichen könnte. Immerhin gab und gibt es Kinder, die von Ihren Eltern zweisprachig aufgezogen wurden entsprechend Esperanto wie eine zweite Muttersprache sprechen. Aber diese Sprache war niemals dazu gedacht, eines Tages die Muttersprache zu ersetzen, sondern immer nur als leicht erlenbare Hilfssprache, um sich mit aller Welt verständigen zu können.

Was ist Ido ?

Ido wurde 1907 (also gar nicht mal all zu lange nach Esperanto) durch die Franzosen und Esperantisten Louis de Beaufront (Lehrer und Linguist) und Louis Couturat (Mathematiker und Philosoph) entwickelt, weil ihnen Esperanto noch nicht ausreichend einheitlich und logisch erschien. Insbesondere enthält Esperanto 6 Buchstaben, die mit einem kleinen Dach gekennzeichnet werden (diakritische Zeichen), weil sie eine besondere Aussprache haben. Ido verwendet lediglich die Buchstaben des lateinischen Alphabetes, wodurch die Sprache heute nicht zuletzt auch viel computer- und internetfreundlicher ist. Außerdem wurden viele Worte aus anderen Sprachräumen durch romanische Entsprechungen ersetzt, wodurch sie international besser nachvollziehbar und dadurch leichter zu lernen sind. Außerdem wurde das Wort-Ableitungssystem von Ido gegenüber dem von Esperanto deutlich erweitert. Das Regelwerk ist insgesamt etwas straffer. Dadurch ist es nicht unbedingt einfacher geworden, dafür aber flexibler und genauer.

Als die Esperanto-Kommission über die Annahme einer Welthilfssprache entscheiden sollte, staunte man nicht schlecht über die Broschüre eines unbekannten Autors namens Ido. In der Geschichte von Esperanto liest man in diesem Zusammenhang über die "Ido-Krise". Das Ido-Projekt verstand sich nämlich als ein "reformiertes Esperanto" in der Tradition von Ludwik Zamenhofs Reformvorschlägen von 1894, welche schon damals einen Streit auslösten, aber bei den meisten Esperantisten auf wenig Gegenliebe stießen. Immerhin votierten 20% des Sprachausschusses 1907 nun für Ido (darunter natürlich de Beaufront, der sich 1908 dann auch als "Ido" outete) und vermutlich etwa 10% der gesamten Delegation wechselte ins Lager der Idisten. Der Anteil der Esperanto-zu-Ido-Wechsler weltweit dürfte aber wesentlich geringer ausgefallen sein, da Ido nicht genügend Zeit hatte, den Bekanntheitsgrad von Esperanto aufzuholen, zumal Esperanto ja nun auch viel stärker gefördert wurde.

Sprachgeschichtlich ist das Ido jedenfalls eng an Esperanto angelehnt. Esperanto blieb aber vom Wortschatz her relativ konstant, während der Ido_Wortschatz mit der Zeit nochmals reformiert und ergänzt wurde. Auch die Grammatik wurde reformiert, so dass manche Endung etwas anders ausfällt. Trotzdem sind die beiden Plansprachen noch so ähnlich, dass die "Idisten" sich problemlos mit den "Esperantisten" verständigen können.

Hier ein Beispiel wieder am Wort für 'lernen'; so dass ich mich der gleichen Tabelle nochmals bedienen kann:

Deutsch Ido Esperanto
lernen (Grundform) lernar lerni
ich lerne, du lernst, wir lernen me lernas, tu lernas, ni lernas mi lernas, vi lernas, ni lernas
ich lernte / habe gelernt me lernis mi lernis
ich werde lernen me lernos mi lernos
du lerntest / du würdest lernen tu lernus vi lernus
lerne (Befehlsform) lernez lernu
Das Lernen la lerno, la lernado la lerno
Der Lernende la lernanto la lernanto
lernend, am lernen seiend lernante lernante

Der Hauptunterschied von Ido gegenüber Esperanto liegt wohl darin, dass die Sprache immer unter der Obhut der (Sprachen-)Wissenschaftler geblieben ist und von ihnen kontinuierlich und nach streng wissenschaftlichen Maßstäben verbessert wurde. Esperanto hingegen ist mit den Bedürfnissen der Sprecher gewachsen und so zu einer lebendigen Sprache geworden. Genau wie bei Esperanto liegt jedenfalls auch bei Ido der Vorteil in der außerordentlich leichten und somit schnellen Erlernbarkeit. Wobei das mit der Zeit noch optimierte  Ido sicher noch leichter und schneller zu erlernen ist - vor allem natürlich für jemanden, der bereits Esperanto spricht.

Gegenüber dem etwas älteren und stärker propagierten Esperanto konnte sich Ido aber nicht wirklich durchsetzen und wurde zusammen mit anderen Plansprachen vor allem in der NS-Zeit stark geschwächt. Immerhin hat Ido im Gegensatz zu anderen Plansprachen die Kriegswirren überlebt und heute schätzt man die Ido-Gemeinde bzw. die Zahl der Ido-Sprecher auf einige tausend Leute. International sind die Ido-Anhänger in der ULI (Uniono por la Linguo Internaciona Ido = „Union für die internationale Sprache Ido“) organisiert. Dazu gibt es in wenigstens 20 Ländern auch nationale Ido-Organisationen. Literatur in Form von gebundenen Büchern, Heften Broschüren sucht man heute eher vergeblich. Ältere Exemplare (vor 1938) kann man ggf. aus dem Archiv der Ido-Gesellschaft beziehen.

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