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Das Bier-Lexikon

Reinheitsgebot

Deutsches Biergesetz

Damit das Reinheitsgebot in Deutschland eingehalten und notfalls auch eingeklagt werden kann, muss es natürlich auch ein offizielles Gesetz geben. Ursprünglich wurde das im Biersteuergesetz (BierStg) geregelt. In seiner ursprünglichen Fassung vor 1993 hieß es:dort im Paragraphen 9:

  1. Zur Bereitung von untergärigem Bier darf, abgesehen von den Vorschriften in den Absätzen 4 bis 6, nur Gerstenmalz, Hopfen, Hefe und Wasser verwendet werden.
  2. Die Bereitung von obergärigem Bier unterliegt derselben Vorschrift; es ist hierbei jedoch auch die Verwendung von anderem Malz und die Verwendung von technisch reinem Rohr-, Rüben- oder Invertzucker sowie von Stärkezucker und aus Zucker der bezeichneten Art hergestellten Farbmitteln zulässig.
  3. Unter Malz wird alles künstlich zum Keimen gebrachte Getreide verstanden
  4. Die Verwendung von Farbebieren, die nur aus Malz, Hopfen, Hefe und Wasser hergestellt sind, ist bei der Bierbereitung gestattet, unterliegt jedoch besonderen Überwachungsmaßnahmen.
  5. An Stelle von Hopfen dürfen bei der Bierbereitung auch Hopfenpulver oder Hopfen in anderweitig zerkleinerter Form oder Hopfenauszüge verwendet werden, sofern diese Erzeugnisse den nachstehenden Anforderungen entsprechen:
    1. Hopfenpulver und anderweit zerkleinerter Hopfen sowie Hopfenauszüge müssen ausschließlich aus Hopfen gewonnen sein.
    2. Hopfenauszüge müssen
     a) die beim Sudverfahren in die Bierwürze übergehenden Stoffe des Hopfens oder dessen Aroma- und Bitterstoffe in einer Beschaffenheit enthalten, wie sie Hopfen vor oder bei dem Kochen in der Bierwürze aufweist,
     b) den Vorschriften des Lebensmittelrechts entsprechen.
    Die Hopfenauszüge dürfen der Bierwürze nur vor Beginn oder während der Dauer des Würzekochens beigegeben werden.
  6. Als Klärmittel für Würze und Bier dürfen nur solche Stoffe verwendet werden, die mechanisch oder adsorbierend wirken und bis auf gesundheitlich, geruchlich und geschmacklich unbedenkliche, technisch unvermeidbare Anteile wieder ausgeschieden werden.
  7. Auf Antrag kann im einzelnen Falle zugelassen werden, daß bei der Bereitung von besonderen Bieren und von Bier, das zur Ausfuhr oder zu wissenschaftlichen Versuchen bestimmt ist, von den Absätzen 1 und 2 abgewichen wird. Für die Zulassung von Ausnahmen sind die nach Landesrecht zuständigen Behörden zuständig.
  8. Die Vorschriften in den Absätzen 1 und 2 finden keine Anwendung für diejenigen Brauereien, die Bier nur für den Hausbedarf herstellen (Hausbrauer).

Man beachte den süßen Unterschied zwischen untergärigem und obergärigem Bier, sowie den Absatz 7 und 8, wonach in Ausnahmefällen un für den Hausgebrauch sogenannte "besondere" Biere hergestellt werden dürfen, die von dem Reinheitsgebot in Absatz 1 und 2 abweichen dürfen - also mit dort nicht aufgeführten Zusatzstoffen angereichert sein können.

Viele Bierhersteller im restlichen Europa verwenden sehr gern noch Zusatzstoffe, wie Farbstoffe oder Aromen, die eine Einfuhr nach Deutschland - zumindest unter der Bezeichnung "Bier" verbieten würden. Daher beschwerten sie sich bei der EWG-Kommission, was schließlich dazu führte, dass das deutsche Gesetz in geeigneter Form gelockert werden musste, so dass dem freien Warenverkehr laut EWG-Vertrag nichts mehr im Wege stünde. Somit wurde das Reinheitsgebot aus dem deutschen Biersteuergesetz herausgenommen und bis auf weiteres modernisiert und ausgelagert in ein "Vorläufiges" Biergesetz. Den aktuellen Wortlaut kann man offiziell unter www.bundesgesetzblatt.de abrufen. Folgen Sie dort bitte dem Link zum kostenlosen Bürgerzugang. Das aktuelle Biersteuergesetz und weitere Bierverodnungen im PDF-Format finden Sie auch bei bundesrecht.juris.de unter B wie Bier...

Bayrisches Reinheitsgebot

Wilhelm IV., Herzog von Bayern verkündete am 23. April 1516 das bayrische Reinheitsgebot. Demnach durfte das Bier nur aus Gerste, Hopfen und Wasser bestehen. Und was der Herzog von Bayern beschlossen hat, das hat im Grunde bis heute Bestand. Daher weigern sich die Bayern auch heute noch, den $9, Absatz 7 im deutschen Biergesetz anzuerkennen,

Das bayerische Reinheitsgebot gilt als das älteste bis heute gültige - jedoch nicht als das älteste überhaupt..

Das älteste deutsche Reinheitsgebot

Die Stadt Weißensee in Thüringen nimmt für sich in Anspruch, das erste und somit älteste deutsche Reinheitsgebot hervorgebracht zu haben; heute mehr oder weniger bekannt als das "Weißenseer Reinheitsgebot". Als man im Jahre 1998 nämlich das Jubiläum "800 Jahre Marktrecht" beging, wurde für eine Stadtchronik recherchiert. Der Geschäftsführer der Runneburg Betriebsgesellschaft Weißensee mbH, Michael Kirchschlager entdeckte im Februar 1998 im Archiv auf der Runneburg das "Stat Buch" von 1434, welches auch die "Statuta thaberna" enthielt. In diesem alten Wirtshausgesetz waren Gesetze über das Benehmen in Wirtshäusern und das Brauen von Bier enthalten. Im Artikel 12 der "Statuta thaberna" heißt es : "Zu dem Bier brauen soll man nicht mehr nehmen als soviel Malz, als man zu den drei Gebräuen von dreizehn Maltern an ein Viertel Gerstenmalz braucht... Es sollen auch nicht in das Bier weder Harz noch keinerlei andere Ungeferck. Dazu soll man nichts anderes geben als Hopfen, Malz und Wasser ('hophin malcz und wasser'). Das verbietet man bei zwei Mark, und derjenige muß die Stadt für vier Wochen räumen."

Biergesetz-Geschichte

Erste urkundlich nachweisbare Ansätze für ein Biergesetz in Deutschland stammen aus Augsburg im Jahre 1156, als Kaiser Barbarossa der Stadt eine neue Rechtsverordnung bekannt gab: In der "Justitia Civitatis Augustensis", die auch als das älteste deutsche Stadtrecht bekannt ist, heißt es eben auch: "Wenn ein Bierschenker schlechtes Bier macht oder ungerechtes Maß gibt, soll er gestraft werden..."

Schon die babylonischen Brauerinnen hatten strenge Auflagen zu beachten. Bierpanscherinnen wurden in ihren eigenen Fässern ertränkt oder bis zum Tode mit ihrem Gesöff abgefüllt. Der Bevölkerung Babyloniens wurde eine tägliche Ration Bier zugesichert. Normale Arbeiter erhielten 2 Liter Bier, Beamte 3 Liter, Oberpriester 5 Liter, usw.... Bier durfte nicht verkauft werden. Man durfte es nur gegen Gerste tauschen. Der aufmerksame Leser hat es schon bemerkt: Bierbrauen war Frauensache, wie alle anderen häuslichen Angelegenheiten auch. Das Lebensmittelgesetz der Babylonier wurde auf Verfügung von König Hammurabi um 1700 vor Chr. in Stein gemeißelt und kann heute im Louvre besichtigt werden.

Hefe und andere (erlaubte) Zusatzstoffe

Dass in all den alten Reinheitsgeboten noch nicht die Rede von Hefe war, lag daran, dass Hefe damals noch nicht bekannt war. Die Gärung wurde ganz spontan durch die in der Luft befindlichen wilden Hefen oder Bakterien ausgelöst, weshalb oft genug auch mal was schief ging...

Bei der heutigen Bier-Fabrikation setzt man die Gährung durch Zugabe von eigens gezüchteten Brauhefen ganz kontrolliert in Gang, wodurch es vor allem erst möglich ist, untergärige Biere zu erzeugen. Leider nimmt man es bei der modernen Herstellung des flüssigen Brotes nicht mehr ganz so genau mit dem Reinheitsgebot. Wertvolle Eiweiß- und Hopfenbestandteile werden dem Bier entzogen, um es haltbarer zu machen. Schlimmer noch: Um dem Bier diese Bestandteile entziehen zu können, verwendet man sog. Klärmittel. Beispielsweise mischt man Kieselgel und einen speziellen Kunststoff (Polyvinylpolypyrrolidon) bei, um die unerwünschten Bestandteile daran zu binden und mittels Kieselgur und Absorberharzen wieder auszufiltern. Naja, was nicht ausgefiltert wird, das bleibt dann eben drin.Es darf halt gesundheitlich nicht abträglich sein und den Geschmack nicht negativ beeinflussen. Zum Glück sorgt das heute gültige deutsche Biergesetz dafür, dass die chemische Behandlung in den deutschen und österreichischen Brauereien nicht Überhand nimmt. Allgemein gilt: Ein unbehandeltes, untergäriges Bier ist bei kühler und dunkler Lagerung in braunen Flaschen ca. ein halbes Jahr haltbar. Mit anderen Worten: Vorsicht vor Bieren, die 1 Jahr oder gar noch länger haltbar sind, insbesondere wenn sie sich in hellen Flaschen befinden!
 



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