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Das Bier-Lexikon

Flüssiges Brot

... ist die umgangssprachliche Bezeichnung für Bier. Vermutlich entstand dieser Ausdruck in Bayern, wo es heute und schon seit mehreren hundert Jahren ein unverzichtbares Nationalgetränk ist und auch zu den Grundnahrungsmitteln gerechnet wird.

Schon im Mittelalter brauten und tranken Mönche in den römisch-katholischen Klöstern gern Bier zur Überbrückung der Fastenzeit, denn "flüssiges bricht fasten nicht". Sie nannten es daher unter Ordensbrüdern gern "ihr flüssiges Brot". Da normales Bier jedoch gar nicht so sättigend ist, brauten die Paulaner ab 1692 ein gehaltvolleres Bier, nämlich mit mehr Stammwürze und dadurch auch mehr Alkohol. So haben sie nicht nur das "flüssige Brot", sondern auch das Starkbier erfunden.

Bier und Brot sind gar nicht so fern miteinander verwandt, denn auch der Brotteig beginnt unter Zugabe von Hefe zu gären. Doch während das freigesetzte Kohlendioxid als Treibmittel lediglich den Brotteig aufgehen lässt und ihn locker macht, verflüchtigt sich der Alkohol bzw. verbrennt spätestens im Backofen.

Der Wikipedia nach schrieb bereits der Schriftsteller Karl Julius Weber (1767-1832) in seinem Werk "Deutschland oder Briefe eines in Deutschland reisenden Deutschen" die folgende Zeile: "Bier ist flüssiges Brot, Branntwein verklärtes Brot." Das hat er offenbar von den Mönchen aufgeschnappt, über die er zuvor schon einige Bände verfasst hatte.

Historiker meinen allerdings, der Begriff sei viel älter. Vor über 5000 Jahren wurde im alten Babylon bereits Bier unter Zugabe von Fladenbrot gebraut. Man nannte es daher auch "das verflüssigte Brot".

Andere setzen dem entgegen, dass dieser heute eher scherzhaft gemeinte Spruch bei uns erst seit den 50er Jahren in aller Munde ist. Kurz nach dem Krieg war die ausreichende Ernährung nämlich durchaus noch ein Problem für viele Deutsche und da priesen clevere Bierverkäufer ihr Produkt als nahrhaftes "flüssiges Brot" an und machte daraus quasi einen Werbeslogan.

Die Moral von der Geschicht'

Wie schon die Paulaner Mönche einst feststellen mussten, ist normales Bier und vor allem das in der Nachkriegszeit noch übliche Einfachbier keinesfalls nahrhaft genug, um Brot oder andere vernünftige Nahrung zu ersetzen. Je nahrhafter ein Bier sein soll, desto höher muss sein Stammwürzegehalt sein und somit auch der Alkoholgehalt. Der Schaden, den der Alkohol im Körper anrichtet kann durch den Nährwert des Bieres aber unmöglich wettgemacht werden. Bier macht nicht satt. Im Gegenteil: Es fördert den Apetit. In großen Mengen füllt es nicht den Magen, sondern spült die Nieren und belastet zugleich die Leber.

Realistisch gesehen ist Bier eben kein Nahrungsmittel und auch kein normales Erfrischungsgetränk, sondern gehört wie alle anderen alkoholischen Getränke zur Kategorie "Genussmittel". Es sollte nur von Erwachsenen und nur in kleinen Mengen genossen werden. Regelmäßig getrunken wird es zum Suchtmittel (Alkoholismus) und kann somit zu den Drogen gerechnet werden, wie jedes andere Alkoholgetränk auch.

Die Behauptung bzw. der scherzhafte Spruch "Bier ist flüssiges Brot" darf daher nicht ernst genommen werden.
 



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