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Das Bier-Lexikon

Biersteuerklassen, Bierkategorien

Laut §2 BierStG (deutsches Biersteuergesetz) wird Bier nach Grad Plato in Steuerklassen eingeteilt. Grad Plato ist der Stammwürzegehalt des Bieres in Gramm je 100 Gramm Bier, wie er sich nach der großen Ballingschen Formel aus dem im Bier vorhandenen Alkohol- und Extraktgehalt errechnet. Dazu wird nach dem Würzekochen, bzw vor der Gärung eine Würzeprobe entnommen.

Die Steuer kümmert sich nicht darum, wieviel Alkohol dann tatsächlich bei der Gärung entsteht und wie viel Alkohol evtl. auch wieder entzogen wird. Trotzdem können wir davon ausgehen, dass ein bestimmter Stammwürzegehalt stets zu einem gewissen Alkoholgehalt führt. Daher machen die Bierkategorien eine Aussage darüber, wie stark das Bier (also letztlich das Endprodukt) ist.

Für den Steuertarif wird seit 1993 der genaue Stammwürzegehalt hergenommen und nicht die Steuerklasse. Daher findet man diese Einteilung nicht mehr in unseren Gesetzestexten. Trotzdem dient sie noch sehr schön zur Unterscheidung und Einteilung der Biere.

Alkoholfrei / Alkoholarm (< 0,5% bzw. <1,5%)

Bier mit weniger als 0,5 % Alkohol gilt als alkoholfrei. Unter 1,5 % Alkohol gilt es als alkoholarm. Erreicht wird dieser geringe Alkoholgehalt, indem man den Gärprozeß frühzeitig abbricht oder/und den Alkohol mittels Dialyse entzieht. Ältere Biergesetze sahen diese Bierkategorie noch gar nicht vor.

Einfachbier (um 1,5%) (Auch Dünnbier, Kleinbier, Schmalbier)

Unterhalb einer Stammwürze von 7% spricht man vom Einfachbier. Nach altem Gesetz waren 2,0% bis 5,5%  festgelegt. Der Alkoholgehalt liegt grade eben bei 1,5 %. Der Übergang vom Alkoholarmen zum Einfachbier ist also fließend. Heutzutage wird kaum Einfachbier hergestellt. Um 1945 und auch später in der DDR wurde es öfter getrunken, war aber nicht wirklich beliebt.

Da auch schon in wesentlich früheren Zeiten bis zurück ins Mittelalter gern eine von Stammwürze bzw. Alkoholgehalt abhängige Biersteuer erhoben wurde, war das sog. Dünn- oder Schmalbier insbesondere in Form eines Nachbieres das Bier des "kleinen Mannes".

Schankbier (2% - 3%)

Im Bereich zwischen 7% und 10,9% Stammwürze sprechen wir von einem Schankbier. Nach altem Biersteuergesetz sollte es 7 bis 8 Prozent haben. Der Alkoholgehalt liegt demnach bei 2 bis 3 Prozent. Wohl bekanntestes Schankbier ist die "Berliner Weisse" mit 2,8% Alkoholgehalt.

Vollbier

Auf der Stammwürzeskala zwischen 11,0 und 15,9 liegt die meisverkaufte Bierkategorie. Vollbier ist sozusagen unser normales Alltagsbier. Das alte Biergesetz vor 1993 sah die Obergrenze dafür bei 14% Stammwürze. Der Alkoholgehalt kann zwischen 3 % und 6% liegen, aber üblich sind so zwischen 4,5 und 5 Prozent.

Spezial

Dies ist nach heutigem Verständnis ein Vollbier an der oberen Stammwürzegrenze, also bei 14% bis 16%. Daraus resultiert ein entsprechend hoher Alkoholgehalt um 6% und somit ein starkes Vollbier, aber eben noch kein Starkbier. Nach altem Biergesetzt war es ein sog. "Lückenbier", da es weder zu den Vollbieren noch zu den Starkbieren gezählt werden konnte. Es durfte per Ausnahmeregelung nur zu bestimmten Anlässen gebraut werden. Heute gibt es keine gesetzlichen Barrieren mehr, aber dennoch ist es Brauch, dass man zu besonderen Anlässen ein Spezialbier braut. Bekanntestes Spezial dürfte wohl das "Märzen" sein.

Starkbier

In der Fastenzeit durften die Mönche zwar nichts essen, aber das Trinken war ihnen nicht verboten. So "kochten" z. B die Paulaner ab 1629 ein dickes, nahrhaftes Bier mit mächtig hohem Stammwürzegehalt, das sie "Sankt-Vaters-Bier" nannten. Die Bayern gaben ihm den Spitznamen "Salvator". Viele Brauer kopierten das erfolgreiche Starkbier, und seitdem endet fast jedes Doppelbock in Bayern auf "ator".

Lange Rede - Kurzer Sinn: Starkbiere haben mindestens 16% Stammwürze und wenigstens 6 % Alkohol. Bis zu 20% Stammwürze bzw. 9% Alkoholgehalt sind keine Seltenheit. Durch Wasserentzug beim Würzekochen und nach der Gärung mittels Frostverfahren kann der Alkoholgehalt weiter gesteigert werden.

So entstehen dann die stärksten Biere mit über 10% Alkohol. Bekanntes Beispiel: Das Kulmbacher EKU28 (28% Stammwürze, 11% Alkohol), welches ich liebevoll und auch voller Restpekt den Kulminatoratorator nenne... ;-)

Überbiere, Ultrastarkbiere, Spezialstarkbiere, Rekordbiere

Diese letzte Kategorie ist keine offizielle Biersteuerklasse, da man mit solchen Experimentalbieren eigentlich nie rechnete. Gemeint sind die Superstarkbiere, welche durch extremen und mehrfach wiederholten Wasserentzug auf einen Alkoholgehalt von 20% oder noch mehr friesiert werden.

Da man den Alkoholanteil ganz einfach durch weglasssen von Wasser hochrechnet, entsteht mit Glück noch ein eingedicktes Bierkonzentrat, welches aber noch irgendwie nach Bier schmeckt. Oft entsteht aber irgend eine Schwarzölige Flüssigkeit oder Masse, die auf den ersten Blick nicht mehr als Bier erkannt werden kann und die ich daher auch nicht mehr als Bier bezeichnen würde.

Braumeister, die sich mit der Erzeugung solcher Überbiere beschäftigen, investieren wirklich viel Mühe und Zeit. Eventuell werden sie mit dem Titel "Stärkstes Bier der Welt" belohnt. Manche halten sich wirklich unter allen Umständen an den Wortlaut des Reinheitsgebotes. Also nehmen sie natürlich für sich in Anspruch, ihr Gebräu noch "Bier" zu nennen. Aber wenn man so ein Bierkonzentrat kostet, dann wünscht man sich doch eine Lockerung des Reinheitsgebotes nach dem Motto: "Wenn Sie ein Bier mit viel Alkohol wünschen, dann mischen Sie es einfach mit einer Schnapssorte Ihrer Wahl".

Hiermit wären wir bei einer letzten und ebenfalls (noch) inoffiziellen Bierkategorie:

Bier mit erweiterten Zutaten

Bei uns etwas ganz neues, was durch unser deutsches (bayerisches) Reinheitsgebot bislang immer abgeblockt wurde, sind die mit Zusatzstoffen aromatisierten und flavorisierten Biere, wie man sie bislang nur in anderen Ländern kannte und bei uns jetzt nur als Importbier kennt.

Auf Grund des überaus strengen Reinheitsgebotes und der typisch deutschen Art, dieses strikt zu befolgen, wurden jegliche Beigaben auch wenn sie noch so lecker sein würden regelrecht verteufelt. Ins deutsche Bier gehört nach wie vor nur Gerstenmalz (ggf. auch Weizenmalz), Hopfen, Hefe und Wasser. Alles andere ist verboten!

Dieses strenge Gesetz hat im Mittelalter das schlimmste verhindert. Auch heute garantiert es uns ein erstklassiges Bier ohne schädliche Zusatzstoffe. Aber es blockte bisher eben auch die Verwendung von Stoffen, die das Bier geschmacklich bereichern könnten.

Seit die europäische Gesetzgebung unsere strengen deutschen Gesetze an die weniger strengen Vorgaben unserer Nachbarländer anpasst, müssen wir auch ausländische Biere auf unserem Markt zulassen. Ich sehe darin allerdings kein Problem, denn laut Vorschrift müssen alle Inhaltsstoffe angegeben werden. Als Kunde kann ich also entscheiden, ob ich ein Bier mit künstlichen Aromen oder Konservierungsmitteln kaufe. Und wenn es mir gefällt, dann greife ich auch mal zu einem importierten Bananenbier. Es wäre mir allerdings lieber, wenn die deutschen Brauer sich an einem neuen Reinheitsgebot mit erweiterten Zutaten orientieren würden und ich ein frisches Bananenbier aus Deutschland kaufen könnte (nur mal als Beispiel).
 



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