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Das Bier-Lexikon

Biersteuer

Wie alle anderen Steuern auch, kommt die Biersteuer nicht der deutschen Bierwirtschaft zu gute, sondern landet im großen schwarzen Loch in unserer Staatskasse. Neben der praktischen Einnahmequelle für unseren Staatshaushalt wird mit der Biersteuer etwas gesteuert - Die Biersteuer verhindert, dass jeder beliebig drauf los braut. Immerhin ist Bier ein alkoholisches Getränk. Seit den 90er Jahren spricht die EU ein Wörtchen mit und eine erhöhte Biersteuer soll dafür sorgen, dass die Deutschen keinen so heftigen Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen EU-Ländern haben. Das Biertrinkerland Deutschland hatte nämlich eine vergleichsweise geringe Biersteuer, wodurch deutsches Bier auf dem europäischen Markt nicht nur das beste, sondern auch sehr günstig war. Eine Biersteuererhöhung um 2004 sollte diesen Wettbewerbsvorteil etwas abmildern. Die EU gibt sich murrend damit zufrieden, würde aber am liebsten noch ein wenig weiter an der deutschen Biersteuerschraube drehen, da die Brauer anderer Ländern mitunter noch doppelt so viel Biersteuer abführen. In diesen Ländern hat das Bier aber auch nicht den selben hohen Stellenwert wie in Deutschland.

Eine erhöhte Biersteuer führt auch bei uns zu höheren Preisen und ggf. zu Umsatzeinbußen - vor allem die kleinen Brauereien. Diese müssen sich zudem nicht nur gegen die deutschen Bierkonzerne behaupten, sonder dank Globalisierung bald auch gegen Brauereien aus der ganzen Welt. Und ausgerechnet in so schweren Zeiten rütteln unsere Politiker an der Biersteuermengenstaffel und diskutieren über erneute Steuererhöhungen, diesmal in Form einer erhöhten Alkoholsteuer.

Außerdem steht Bier als alkoholisches Getränk auf der Abschussliste im Kampf gegen den Alkoholismus. Einige Länder scheinen mit der Alkoholsteuer/Biersteuer ausschließlich den Alkoholkonsum ihrer Landsleute zu bremsen. Insbesondere bei den Finnen, aber auch bei den Briten sorgt die Alkoholsteuer für echte Zurückhaltung beim Bierkonsum. Wir merken es daren, wie sehr sie sich freuen, wenn sie mal bei uns zu Besuch sind... Auch bei uns ist hin und wieder die Rede von einer drastischen Alkoholsteuererhöhung, um z.B. jugendliche Zecher auszubremsen. Im Hinterkopf haben unsere Politiker aber immer nur die Suche nach einer Einnahmequelle, um unserere chronisch leeren Staatskasse zu füllen. Ein strengeres Jugendschutzgesetz würde besser wirken. Aber lieber verdient man noch die eine oder andere Milliarde an den Alkies, statt deren Probleme anzugehen. Also diskutieren die Politiker weiter über Bier- bzw. Alkoholsteuern und ggf. auch Gesetze, die es insbesondere den kleinen Brauereien immer schwerer machen, von ihrem Handwerk zu leben.

Entschuldigung - ich ereifere mich.. Zurück zu den kühlen Tatsachen:

Laut §2 BierStG (deutsches Biersteuergesetz) wird Bier nach Grad Plato mit einer Steuer belegt. Grad Plato ist der Messwert, der den Stammwürzegehalt des Bieres vor der Gärung bestimmt. Dazu muss nach dem Würzekochen, bzw vor der Gärung eine Würzeprobe entnommen werden. Wieviel Alkohol dann tatsächlich entsteht oder im Bier verbleibt, das ist dem Fiskus derzeit noch schnuppe. Trotzdem kann man sagen, dass die Biersteuer ziemlich direkt vom Alkoholgehalt abhängt.

Früher wurde das Bier je nach Stammwürzegehalt in Steuerklassen unterteilt. Heute (seit 1993) ergibt sich der Steuertarif aus dem genauen Stammwürzegehalt. Der Vorteil daran ist der Wegfall irgendwelcher Tariftabellen und sogenannter Lückenbiere, die dem Stammwürzegehalt nach irgendwo zwischen den Steuerklassen lagen und somit nur per Ausnahmeregelung versteuert oder kurzerhand verboten wurden.

Die Biersteuer in Deutschland richtet sich aber nicht nur nach dem Stammwürzegehalt, sondern auch nach der hergestellten und vertriebenen Biermenge. Und zwar gelten bei uns geringere Steuersätze für geringere Biermengen, also haben die kleinen Brauereien einen spürbaren Steuervorteil gegenüber den großen Braukonzernen, die den Biermarkt sonst ganz unter sich aufteilen würden. Diese Regelung wird auch "Biersteuermengenstaffel" genannt. Sie hat nichts mit 'Ungerechtigkeit' zu tun, sondern sorgt im Gegenteil dafür, dass größenbedingte Wettbewerbsnachteile der kleinen Brauereien ausgeglichen werden und sich somit die kleinen und mittelständischen Braubetriebe im Schatten der Großbrauereien behaupten können. Das kommt unserer Biervielfalt und somit unserer Bierkultur zu Gute und ist daher so nützlich, dass diese Steuerstruktur auch vom Europaparlament übernommen wurde. So haben die mehr als 1.200 aktiven Braustätten in Deutschland hoffentlich auch eine Zukunft in Europa und wir Biertrinker hoffen auf die Fortsetzung unserer Bierkultur mit über 5000 Biersorten (mehr als alle anderen europäischen Staaten zusammen). Im Rahmen von Steuerreformen und ggf. der Einführung einer allgemeinen Alkoholsteuer wird dieser Steuervorteil möglicherweise bald aufgehoben oder zumindest so stark reduziert, dass die Kleinbrauereien schonmal ganz vorsichtig damit anfangen können, um ihre Zukunft zu bangen...
 



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