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Das Bier-Lexikon

Biergeschichte

so ca. 4000 v.Chr. "Erfindung" des Bieres in Mesopotamien

Es war einmal in einem Land zwischen zwei Stömen, die wir heute unter den Namen Euphrat und Tigris kennen. Aus der Bezeichnung "Land zwischen zwei Flüssen" oder "Zweistromland" entwickelte sich die griechische Bezeichnung "Mesopotamia" - das allerdings erst viel später, denn die antiken Griechen begannen erst ca. 700 v.Chr mit der Entdeckung des gesamten Mittelmeerraumes.

Also nochmal - Es war vor langer, laaanger Zeit, als die Menschen grade verstanden hatten, wie man das zuvor noch wild wachsende Getreide anbaut, erntet, zermahlt und mit Wasser zu einem nahrhaften Brei mischt... Also vor über 6000 Jahren. - Sagen wir also mal, wir "schrieben" das Jahr 4000 v.Chr... Genau kann man das aber nicht sagen, denn weder war die Schrift erfunden, noch kannte jemand Jesus.

Ist auch egal. - Wo bin ich jetzt schon wieder stehen geblieben? Ach ja: Die Menschen im Zweistromland waren offenbar die Erfinder von Ackerbau und Viehzucht. Sie ernährten sich also u.a. von Getreide, das zu Zeiten der "Biererfindung" entweder noch wild wuchs oder auch schon gezielt angebaut wurde.

Da kam es schonmal vor, dass der Getreidebrei etwas zu lange in der heißen Sonne liegen blieb. Dabei vertrocknete er - so entstand das erste Fladenbrot. Bei genügend Restfeuchte begann er aber zu gammeln - also sorgten Bakterien aus der Luft dafür, dass der Getreidemehl-Brei zu gären begann. Das Ergebnis war klebrig und roch komisch. Aber der Hunger war groß, also aß man das Zeug. Und siehe da, es tötete nicht, hellte aber irgendwie die Stimmung auf!

Also probierten die Mesopotamier ein wenig herum.. und fanden heraus, dass man aus der Restfeuchte eines derart überlagerten Getreidebreis ein Getränk herstellen konnte, welches zwar komisch schmeckte, dafür aber lustig machte. Somit hatten sie die ersten Grundbegriffe der Bierherstellung entdeckt.

In der Folgezeit perfektionierten die Menschen ihre Ackerbau- und Viehzuchtkulturen, entdeckten, dass man aus dem Getreidebrei herrliches Brot backen kann, welches nun wesentlich besser schmeckte und gut zu verdauen war. Außerdem fanden sie heraus, dass der Saft aus gegorenem Getreide ebenfalls besser schmeckte und wesentlich bekömmlicher war, wenn man den Bierbrei ebenfalls kurz in den Backofen schob, bevor man ihn zur Gärung an die frische Luft stellte (Hefe kannte man noch nicht).

3000 - 2000 v.Chr.: Die Sumerer

So ungefähr 3000 v. Chr. begannen Sumerer von Norden her ins Zweistromland einzuwandern. (Bislang wurde das Land von Süden her besiedelt.) Sie entwickelten im Laufe der nächsten 1000 Jahre die Bierkultur weiter und es entstanden verschiedene Methoden der Bierherstellung unter Verwendung unterschiedlicher Getreidesorten. Darunter nach wie vor das Urgetreide der Getreidekultivierung, der dinkelähnliche "Emmer".

Besondere Neurung bei der Bierherstellung war, dass man das Getreide im Rohzustand mit Wasser befeuchte und so zum Keimen brachte. Das so entstandene "Grünmalz" wurde getrocknet und dann zermahlen. Das zerkleinerte Grünmalz wurde mit Wasser zu Maische verrührt. Der Gärung und dem Geschmack förderlich war außerdem die Zugabe von Brotkrumen. Ggf. stellte man dazu extra ein nicht ganz fertig gebackenes Brot aus gesäuertem Gerste- oder Emmerteig her.

Dann wurde beides miteinander verkocht und so stehen gelassen. Hefe war immernoch nicht bekannt. Also sorgten Bakterien aus der Luft für die Gärung. Wie wir ja wissen, wird dabei Zucker in Alkohol umgewandelt. Im Ergebnis wurde das Bier säuerlich. Also gab man dem fertigen Bier etwas Honig bei, um es schmackhafter zu machen.

Man verwendete Saugrohre, um das Bier aus den tönernen Krügen zu schlürfen. Brot- und Malzbrocken wurden durch ein Sieb unten am Saugrohr zurückgehalten. So bekam man keine Brotstücke in den Mund, denn die schmeckten bitter! So wurde das Bier dann nicht kühl, sondern lauwarm genossen. Es war trübe und durch den Honig süß - ohne Blume. Dem Alkoholanteil nach war es vergleichbar mit einem Radler. Den Feststoffanteilen nach muss es aber wie ein supertrübes Hefe ohne Schaum ausgesehen und weniger den Durst gelöscht, dafür aber satt gemacht haben. In entsprechend großer Menge hat es einen schönen Alkoholrausch verursacht und sicher auch einen mördermäßigen Kater...

Gleichzeitig (ca. 2.700 v.Chr.) entstanden auch die ersten Aufzeichnungen in Keilschrift, z.B. auf Tontafeln oder auch auf Tonkrügen. Daraus ergab sich, dass die Sumerer die Erfindung des Bieres einer Göttin namens "Ninkasi" zuschrieben und Bier regelmäßig zu den Opfergaben für die Götter zählte. Überhaupt zählte Bier für sie zum gesellschaftichen und religiösen Brauchtum und hatte damit einen recht hohen Stellenwert.

Den Sumerern verdanken wir auch den berühmten Gilgamesch-Epos, der etwa aus der Zeit zwischen 2400 v.Chr. und 2000 v.Chr stammt. Auch darin wird das Bier erwähnt. Ich zitiere aus dem Wikipedia-Text: "Während eines Zwischenaufenthaltes in einem Hirtenlager nahe Uruk lernt Enkidu die menschliche Nahrung und das Bier kennen."

Weiterhin fand man auch Abrechnungen über Korn- und Bierlieferungen, sowie weitere Schriftstücke, die sich mit der Brauerei befassen. Daraus geht auch hervor, dass Bier als Lohn verwendet wurde. Vergleicht man das mit unseren Zahlungsmitteln, dann kommt man zu dem Schluss, dass Bier im alten Mesopotamien definitiv etwas besonderes und sehr wertvolles gewesen ist.

1900 - 1600 v.Chr.: Babylon

Aus einer zunächst recht unbedeutenden Kleinstadt im sumerischen Reich erwuchs das Zentrum des babylonischen Reiches, welches im Grunde das zerfallende sumerische Reich im Zweistromland ersetzte.

Die Babylonier setzten also die sumerische Bierkultur fort und entwickelten die Braukunst weiter. Sie hatten schließlich über 20 Bier-Sorten, die entweder aus Emmer oder aus Gerste oder aus einem Getreidegemisch bestanden. Mit abschließenden Zutaten ergaben sich wohl über 70 Geschmacksrichtungen. Sie fanden auch Wege, um das Bier für einige Zeit haltbar zu machen. Ihr Lagerbier wurde bis in das 1000 km entfernte Ägypten exportiert.

Der babylonische König Hammurabi erließ zur damaligen Zeit (1770 v. Chr.) eine Sammlung von Gesetzen: "Codex Hammurapi". Diese enthielt auch das älteste in der Biergeschichte bekannte Lebensmittelgesetz inklusive Reinheitsgebot und Bierverteilungsregel.

Seit ca. 3000 v.Chr. - Bier bei den alten Ägyptern

Die regelmäßigen Überflutungen des Nils ergaben schon vor über 20000 Jahren eine fruchtbare Landschaft, welche die Ansiedlung von Menschen im ansonsten sehr trockenen Nordafrika begünstigte. Ähnlich wie im Zweistromland, findet man auch hier erste Anzeichen für eine Zivilisation seit ca. 6000 v.Chr einschließlich der für unsere Biergeschichte so wichtigen Getreidesorten... Seit der Naquada-Kultur ab ca. 4000 v.Chr. kann durchgehende Sesshaftigkeit mit Ackerbau und Viehzucht nachgewiesen werden.

Darstellungen an Grabwänden belegten und beschrieben bereits die Bierherstellung und den hohen Stellenwert der Bieres in Ägypten vor über 5000 Jahren. Daraus interpretierten die Forscher, dass das Nationalgetränk der Ägypter aus vergorenen Brotstücken bestand. Es muss also davon ausgegangen werden, dass entweder schon vor über 5000 Jahren irgend eine Verbindung zu den Sumerern bestand, wodurch die Bieridee aus dem Zweistromland an den Nil gelangte. Oder die Ägypter haben selbst die Erfahrung mit dem Gammelfladen gemacht... Das halte ich für wahrscheinlicher, den die Ägypter waren ein äußerst einfallsreiches Volk und bauten vor ca. 6000 Jahren (Naquada-Kultur ab ca. 4000 v.Chr., siehe auch Wikipedia: Prädynastik in Ägypten) bereits diverse Getreidesorten an. Übrigens verdanken die Ägypter das Bier nach altem Glauben ja dem Gott des Todes und der Wiedergeburt "Osiris".

Nach der Einigung Ober- und Unterägyptens um 3150 v.Chr. (also vor über 5000 Jahren) erreichten die Ägypter einen kulturellen Höhepunkt nach dem anderen (Zeit der Dynastien). Also mit deren Hilfe oder ganz einfach parallel zu den Sumerern entwickelten die Ägypter sowohl den Brauprozess als auch die Schriftzeichen.

Spätestens vor 3800 Jahren (gegen 1800 v.Chr.) belegen die Hieroglypen ein reges Handelstreiben mit den Babyloniern. Von dort wurde auch das bereits transport- und lagerfähige Bier importiert und ganz sicher tauschte man sich ausgiebig mit den Biererexperten des Zweistromlandes aus. Die Bierherstellung wurde noch weiter verfeinert. Und auch in Ägypten wurde spätestens 1500 v.Chr. das Mälzen und das Maischen angewandt, wie gut erhaltene Rückständen aus entsprechend alten Trink- und Braugefäßen bewiesen.

Dank der gut erforschten Schriftzeichen der alten Ägypter ist noch einiges mehr über ihre Bierkultur überliefert und man weiß sehr genau, wie die Ägypter brauten und dass das Bier einen wirklich enorm hohen Stellenwert bei ihnen hatte. Es war quasi das Getränk der Götter und wichtiges Grundnahrungsmittel zugleich. Fast die Hälfte der Getreideernte (ebenfalls Gerste und Emmer) floß damals in die Bierproduktion. Die kostenlose Verteilung der Grundnahrungsmittel einschließlich also dem Bier war klar geregelt. Jedem stand seine Ration Bier zu, vom König, bzw. Pharao bis herab zum Sklaven. Pyramidenbauer waren dank Bier immer gut druff... Nein, kleiner Scherz. Aber die Hieroglyphen belegen durchaus, dass sich die Anführer dessen bewusst waren, dass die Arbeiter oder auch Soldaten mit Bier gut zu motivieren waren.

1300 v.Chr. - 600 n.Chr. Juden, Griechen, Phönizier, Römer

Sie alle kamen irgendwie mit den Ägyptern in Kontakt. Sicherlich haben sie dabei auch das Bier kennengelernt und möglicherweise auch einiges von dem Wissen um die Braukunst mitgenommen. Doch das Bier hatte bei ihnen nur einen geringen Stellenwert. Sie tranken lieber Wein.

Bei den Juden denke ich eigentlich nur an deren Aufenthalt im Lande des Pharaos. Und an die von Moses angeführte Flucht aus Ägypten. Leider ist der genaue Name des besagten Pharaos nicht überliefert und wenn man versucht, die Bibelgeschichte nachzurechnen, dann stößt man auf die üblichen Widersprüche. So datiere ich den Exodus mal ganz grob zwischen 1300 und 1100 v.Chr. Die weitere Geschichte des Gottesvolkes zeigt sich nicht so sehr vom Bier beeindruckt, obwohl man das Wissen um die ägyptische Braukunst sicher mit ins gelobte Land genommen hatte. Vielmehr wird von einem recht hastigen Aufbruch berichtet, so dass keine Zeit mehr für die Bereitung von gesäuerten Broten als Wegzehrung war. Daran erinnert der Brauch, dass man zum Pessachfest nur Fladenbrot aus ungesäuertem Teig im Hause haben soll. Schade. Es hätte durchaus auch das Fest des flüssigen Brotes werden können - oder nicht?

Die Phönizier waren Quasi Nachfahren Babylons und standen mit den Ägyptern in Kontakt. Als Seefahrervolk verbreiteten sie ihre (Bier-)Kultur an sämtlichen Mittelmeerküsten und stießen dabei auch mit den alten Griechen zusammen. So kam das Bierrezept vermutlich auch zu den Iberern (Spanien). Und von dort holten es sich die Kelten.

Die Griechen hatten ihre ersten Kontakte mit den Ägyptern so um 600 v.Chr. als sie genau wie die Phönizier Schiffe durch das gesamte Mittelmeer kreuzen ließen und überall auf dem Festland Kolonien bzw. Städte gründeten.

Als die Römer schließlich ihr Reich über den gesamten Mittelmeerraum und weit bis in den Norden ausweiteten, lernten sie auch die Biere der verschiedenen Völker kennen. Absolutes Lieblingsbier der Römer, die wohlgemerkt eher Weintrinker waren, war aber das mit Honig gesüßte Bier der Kelten (Gallien,Frankreich). Vermutlich haben sie nach der Eroberung Galliens 50 v.Chr. das Bierrezept nach Brittanien weitergetragen.

800 v.Chr. bis 500 n.Chr. Unsere Vorfahren, die Germanen

Funde von Bieramphoren bei Kulmbach, die auf die Zeit um 800 v.Chr. zurückdatiert werden konnten, belegen, dass die alten Germanen bereits Bier gebraut haben, als die Griechen sich noch von der Zerstörung der mykenischen Zentren erholten und Rom noch gar nicht gegründet war. Da die alten Germanen des Schreibens noch nicht mächtig waren, gibt es keine schriflichen Aufzeichnungen, die uns näheres über die Herkunft ihres Brauverfahrens sagen könnten. Keine Ahnung also, wann und wie die Germanen darauf kamen. Vielleicht hat sich mal ein Sumerer oder Babylonier in die Gegend der nordischen Stämme verlaufen. Wahrscheinlicher ist es aber, dass die Germanen das Geheimnis vom gärenden Brotteig selbst entdeckt haben. Sie entdeckten später ja auch selbst, dass man nicht unbedingt erst Brotteig machen musste, sondern die Getreidekörner einfach keimen lassen musste. Des weiteren merkten unsere Vorfahren auch schnell, dass das Bier einem viel besser bekommt, wenn man die Bierwürze einmal ordentlich erhitzt.

Geht man nach den Berichten der Römer, die bereits in den Jahrhunderten vor Chr. immer wieder mal Kontakt mit den Nordvölkern hatten, dann waren die alten Germanen wohl stets mit einem Trinkhorn bewaffnet. Im Nachhinein weiß man aber, dass die Germanen nicht dauernd gesoffen haben. Richtig ist vielmehr, dass sie große Feste zu ehren ihrer Götter feierten und bei dieser Gelegenheit dann unmengen Bier oder Met tranken. Met bestand übrigens aus vergorenem, wildem Honig und Wasser. Das Bier bestand anfangs aus vergorenem Brot, genau wie bei den Sumerern.

Während z.B. die alten Babylonier das Bier auch als Gottesopfer darbrachten, war es bei den Germanen für die Sterblichen gedacht. Den Göttern hingegen war der Wein vorbehalten. Und den Met gedachte man den Bewohnern des Totenreiches zu, indem man auf sie trank. Wie bei den Babyloniern waren das Bierbrauen und das Brotbacken Aufgabe der Frauen.

Bei Ausgrabungen altgermanischer Siedlungen wurden allerlei Brau-Geräte, Kessel und Gefäße mit getrockneten Resten der Biergrundsoffe gefunden. (Nein, natürlich wurden keine Bier-Reste gefunden. Die hatten die durstigen Germanen ja ausgesoffen...) Übrigens tranken die Germanen ihr Bier gern kühl. Um das Bier zu kühlen, wurden es in tönerne Gefäße gefüllt und in der Erde eingegraben.

ab 600 n.Chr - Das frühe Mittelalter und die Klosterbrauereien

Gebeutelt durch Völkerwanderung, und dem Untergang Roms mit all seinen Kriegen, Krankheiten und Hungersnöten hatten normale Menschen anderes zu tun, als Bier zu brauen. Meist war man froh, wenn man wenigstens etwas Brot hatte. Die Fürsten, welche nun das neue Reich der Franken beherrschten, waren Weintrinker, wie die alten Römer. Also war Bier eher unwichtig oder sogar unbekannt. Es gab zwar bürgerliche Kneipen, die auch Bier herstellten. Nur war das oft nicht von besonders guter Qualität.

Neu war aber auch das aufkommende Christentum mit einer unglaublich strengen Kirche, die von ihren Anhängern einiges abverlangte. So gab es die Klöster, in denen lebten Menschen zusammen, um sich ganz und gar ihrem Glauben hinzugeben (Nonnen bzw. Mönche). Die haben u.a. auch sehr oft und sehr ausgiebig gefastet. So entdeckten die Mönche das flüssige Brot für sich, denn es half sowohl körperlich als auch mental, über die langen Fastenwochen hinweg zu kommen. Daher entwickelten Sie das Bier auch weiter, um es besonders nahrhaft und stark zu machen. Die notwendigen Zutaten, wie z.B. auch Hopfen planzten sie selber an. Das Bier wurde auch immer schmackhafter und war rein und bekömmlich, was sich schließlich auch außerhalb des Klosters herumsprach. So verkauften sie das Bier auch an die Bürger oder die Schankwirte der nahen Städte und natürlich bekamen die Landesfürsten davon Wind und fanden es dann auch unheimlich schick. Durch das Geschäft mit dem Bier wurden die Klöster reich und berühmt. Eine Chronik aus dem Jahre 820 n.Chr. erwähnt das Kloster St. Gallen (heute in der Schweiz) als erste große Klosterbrauerei.

So, nun kann man sich gut vorstellen, dass es den Mönchen viel zu gut ging und dass die Kirche das Treiben unterbinden würde. Aber einer Legende nach sicherten sich die Mönche ab, indem sie eine Probe ihres Bieres zum Papst nach Rom schickten. Der bekam das Bier zwar, aber es hatte die lange Reise nicht gut überstanden. Der Papst befand daher, dass dieses Gesöff alles andere als eine Gaumenfreude war, sondern eher eine Buße. Dafür gab er gern seinen Segen.

ab 900 n.Chr - Weltliche Brauerei, Bierhandel, Biergesetze

Wo es Geld zu verdienen gibt, da mischen natürlich auch immer einige schwarze Schafe mit. So betätigten sich manche Brauer, Wirte oder Kaufleute als Bierpanscher. So mussten Gesetze geschaffen werden, in denen die Bierherstellung geregelt wurde und nach denen man die Missetäter bestrafen konnte. Daher sah sich bereits Kaiser Friedrich I., auch bekannt als Barbarossa, im Jahre 1156 genötigt, eine Geldstrafe für Leute anzuordnen, die schlechtes Bier ausgeschenkten. Die Fürsten anderer Städte gingen ähnlich vor. Schließlich im Jahre 1516 - und zwar genau am 23. April - wurde mit dem Reinheitsgebot des Herzogs Wilhelm IV. eine strenge, landesweite Verfügung geschaffen. Von da an durfte Bier nur noch aus Gerstenmalz, Hopfen und Wasser bestehen.

Gerstenbrot schmeckt nicht sonderlich gut, daher wird dieses Getreide vorzugsweise für die Bierherstellung verwendet. Beim Weizen ist es genau umgekehrt. Daher war die Verwendung von Weizen verboten bzw. nur dem Kurfürsten von Bayern vorbehalten. Dieser vergab gegen Gebühr eine Lizenz zum Weizenbierbrauen. Der kostbare Weizen, die Gebühr und geringe Abgabemengen machten das Weizenbier sehr teuer. Die Herstellung war eigentlich mehr Imagepflege und lohnte sich trotz Monopol nicht wirklich.

Im weiteren Verlauf des Mittelalters und der Zeit danach, mit der allmählichen Festigung der Staaten Europas, der Entdeckung neuer Welten und der Erschließung internationaler Handelswege, vor allem auch in der Zeit der großen Kaufleute und der Hansen und der Reform der christlichen Kirche profitierten auch die Bierbrauer. Exportbier wurde nach Holland, Flandern, England und sogar bis nach Skandinavien verschifft. Die Hansestädte Bremen und Hamburg spielten dabei eine große Rolle. In Hamburg allein gab es gegen 1555 mehr als 600 Brauereien. In so mancher Stadt waren die Bierhersteller und ihre Zulieferer die größten Arbeitgeber.

ab 1800 - Technischer Fortschritt und Industrialisierung

Die Bevölkerungszahlen in Europa stiegen rasant an. Da wurde auch mehr Bier konsumiert. Und das musste im großen Stil hergestellt und dann schnellstens zum Verbraucher transportiert werden. Da kamen technische Erfindungen wie die Dampfmaschine und die Elektrizität grade recht. Auch die Forschungsergebnisse von Chemikern, wie z.B. Louis Pasteur waren sehr nützlich für die Braukunst. So hatte man die Hefe und somit den Gärprozess viel besser unter Kontrolle und konnte das Bier länger haltbar machen und somit weiter transportieren und in größeren Mengen verkaufen, da es länger gelagert werden konnte. Bei der Lagerung als auch bei der Herstellung von untergärigem Bier half nicht zuletzt natürlich auch die Entwicklung der Kältemaschine durch Carl von Linde ab 1870.

Pünktlich zum Beginn dieser wirtschaftlichen Hochphase, genauer gesagt im August 1798 hob der damalige bayrische Kurfürst Karl Theodor das Weißbiermonopol auf. Aber zunächst nur für Bayern. So durften zwar alle Brauereien in Bayern gegen entsprechende Gebühr Weizenbier brauen. Es war aber sehr teuer und daher nichts für "Otto-Normalbayer". Zum Export war es auch nicht freigegeben. So ging der Wirtschaftsboom vorerst noch an den Weizenbierbrauern vorbei. Erst viel später, so ab 1965 begannen die Bayern das Weizenbier zu exportieren und fanden vor allem auch selbst Geschmack daran. Plötzlich war 'Weißbier' das traditionelle Getränk der Bayern. In Norddeutschland und im Ausland wird es als Hefe- oder Kristallweizen auch immer beliebter. Bei der Weizenbierherstellung als auch beim Weizenbierverbrauch wurde Bayern zum führenden Bundesland in Deutschland.

Die Erkenntnisse aus der Biergeschichte

Die Biergeschichte beginnt vor über 6000 Jahren. Bierbrauen ist also eine uralte Fertigkeit. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die "Erfindung des Bieres" nicht auf einen einzelnen Menschen oder ein Volk zurückgeführt werden kann. Aber die Siedler im alten Zweistromland waren wohl die allerersten von vielen, die das Prinzip der Gärung entdeckten, als sie eigentlich Brot herstellen wollten. Bier wurde also niemals "erfunden". Es wurde vielmehr aus einer zufälligen Entdeckung heraus entwickelt. Und das passierte so nach und nach an mehreren Orten auf der Welt, je nach dem, wann die Menschen dort sesshaft wurden und die Früchte und Pflanzen zur Erzeugung von nahrhaften Produkten weiterverarbeiteten. Die Biergeschichte ist an die Brotgeschichte gekoppelt.

Tatsächlich ist die Braukunst über die ganz Welt verbreitet. Es unterscheiden sich nur die Getreidesorten bzw. die Brot-Grundstoffe. In Babylon und Ägypten verwendete man die Ur-Getreideart "Emmer". Daneben probierte man auch alle anderen Getreidearten aus, deren man habhaft wurde, so auch die Gerste. In einigen Ländern Afrikas macht man Hirsebier, in Asien braut man Reisbier und in Südamerika gibt es das Maisbier. In Deutschland wird Bier vorzugsweise aus Gerste gebraut. Die Bayern lieben ihr "Weißbier" aus dem hochwertigen Weizen.

Der Ursprung des deutschen Bieres liegt zum einen bei den alten Germanen, die schon vor über 2800 Jahren sehr wahrscheinlich selbst auf das Geheimnis der Gärung kamen und neben Met auch jede Menge Bier tranken. Allerdings wurde unserer Geschichte sehr stark von den Römern beeinflusst, die ihrerseits sehr weit herumkamen und Biere aus dem gesamten Mittelmeerraum importierten. Zudem brauten die ebenfalls von den Römern beeinflussten und in ihrer Entwicklung geförderten Kelten ein ausgezeichnetes Bier und deren Nachfahren waren ja die Franken, welche nach dem Zusammenbruch Roms die Herrschaft in unseren Breiten übernahmen und daher nicht nur eine große Rolle bei der Gründung des Deutschen Reiches spielten, sondern sehr wahrscheinlich auch ihr Bier mitbrachten. Drum sage ich mal: Auch wenn in Kulmbach schon vor 2800 Jahren gebraut wurde - die Bayern sind nicht die Erfinder des Bieres.

Da es die Babylonier und ihre Vorfahren quasi nicht mehr gibt, sind es definitiv die Ägypter, welche auf die längste Biergeschichte zurückblicken. Bei ihnen hat Bier auch die allergrößte Rolle gespielt.
 



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