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Das Bier-Lexikon

Anstoßen anstossende smilies

Haben Sie es bemerkt? Bei uns im Bier-Lexikon kommt "Anstoßen" nach "Anzapfen". Das ist zwar alphabetisch nicht die richtige Reihenfolge, aber wen juckt's? Erst muss das Bier gezapft werden, dann kann man anstoßen.

In der dunklen Zeit des Mittelalters kam es vor, dass ein unliebsamer Zechkumpan mit einer Portion Gift ins Jenseits befördert wurde. Daher galt es als allgemeiner Vertrauensbeweis, wenn man mit den massiven Bierhumpen kräftig anstieß, so dass einiges von dem Inhalt in den Krug des anderen schwappte. Mit unbekannten und nicht vertrauenswürdigen Leuten sollte man lieber nicht anstoßen. Wer andererseits sich weigerte anzustoßen, geriet leicht in den Verdacht, einen Giftanschlag zu planen.

anstoßen; Foto: Jörg WischnewskiAus dem Zeichen des Vertrauens wurde im Laufe der Zeit eine Sitte, die sich in ganz Europa und mit den Auswanderern auch in der ganzen Welt verbreitete. Heute stößt man zwar nicht mehr an, weil man Angst vor Gift hat, aber der Brauch ist immer noch ein Zeichen für Freundschaft und Vertrauen. Man stößt nicht mit Leuten an, die man nicht mag. Wenn sich heute also jemand weigert anzustoßen, wird das im Umkehrschluss als ablehnende oder gar feindselige Haltung ausgelegt und so mancher fühlt sich dann natürlich beleidigt.

Man kann grundsätzlich nicht nur mit Bier anstoßen, sondern mit allen Getränken. Aber üblicherweise tut man es nur mit alkoholischen Getränken, denn das Anstoßen ist nunmal überlieferte Kneipenkultur. Dazu "prostet" man sich zu und wünscht sich gegenseitig Gesundheit und "wohl bekomms". Vielleicht weil manche dem alkoholischen Getränk medizinische Wirksamkeit zuschreiben (das war bei den alten Griechen und den Römern durchaus der Fall). Vielleicht ist es auch ein vorsorglicher Wunsch, weil man um die Nachwirkungen des Alkohols weiß. Vielleicht ist es auch nur ein weiteres Zeichen der Freundschaft, dass man sich um seinen Saufkumpan und seine Gesundheit sorgt.

Manche halten anlässlich des Trinkgelages auch regelrechte Reden. Diese Sitte, das Glas demonstrativ zu erheben und etwas (oder noch mehr) dazu zu sagen ist viel älter als das oben besagte Anstoßen. Wir kommen darauf zu sprechen - aber auf einer anderen Seite, wo es nämlich um den "Trinkspruch" geht.

Heute, da man nicht nur mit dem dicken Bierhumpen anstößt (z.B. im Festzelt auf dem Oktoberfest), sondern mit zum Teil recht zerbrechlichen Gläsern, da haben sich Anstoßtechniken ergeben, die dem Anlass und der Glasform gerecht werden. Feine Sekt- oder Weingläsern zum Beispiel fasst man möglichst tief unten am Stiel an, damit sie beim Anstoßen hübsch klingen und die ganze Prozedur nicht so bäuerlich-rustikal wirkt.

Aber auch beim Bier gibt es Unterschiede. So gibt es vor allem im Süden der Republik, unterhalb des "Weißwurstäquators" (also in Bayern) eine besondere Weißbier-Anstoß-Zeremonie:

  1. Evtl. erst noch der Trinkspruch: "Frauen und Weizenbier immer unten anstoßen."
    Und nun dürfen Sie gemäß dieser zugegeben sexistischen Anleitung anstoßen.
    Es wird demnach mit dem dicken und entsprechend stabilen Glasfuß herzhaft angestoßen!
  2. Sehr wichtig: Der Weizen-Kelch wird nach dem Anstoßen theatralisch zur Brust geführt und landet dann donnernd! noch einmal auf dem Tisch. - Erst jetzt darf getrunken werden. - Prost!

Damit Sie sich das jetzt merken können, gebe ich Ihnen noch eine Eselsbrücke: "oas, zwoa, gsuffa".

Sollten Sie bei der bayrischen Weißbier-Anstoß-Zeremonie die Hälfte verschütten, dann nur nicht verzagen. Das passiert schon, wenn man zünftig miteinander anstößt. Durch tägliches Training wird das sicher besser. Zumindest ist es bei zunehmendem Pegel sowieso egal...
 



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