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titelbildAlienkiller Josh

Eine Science Fiction Kurzgeschichte
von Jörg Wischnewski

Vorsicht: tief-schwarzer Humor!
 


Die Geschichte von Josh, dem durchgeknallten Alienkiller

Irgendwann so gegen 2055 hatten wir erfolgreich unseren ersten Kontakt. Wir empfingen doch tatsächlich ein Funksignal von Außerirdischen!

Dann ging alles sehr schnell. Schiffe der Aliens trafen auf der Erde ein. Denen entstiegen bewaffnete Truppen und töteten alle Menschen, die ihnen zu nahe kamen. Es gab keine Warnung, keine Verhandlungen. Die außerirdischen Angreifer machten einfach Jagd auf die Menschen. Sie legten sich aber nicht mit dem Militär an, sondern erschienen mal hier, mal dort, immer mitten in der Zivilbevölkerung, töteten und kehrten zurück zum Raumschiff. Die Waffen unseres Militärs kamen selten sinnvoll zum Einsatz und konnten den Alienschiffen überhaupt nichts anhaben. Eine Evakuierung der Zivilbevölkerung kam nicht in Frage, da man nicht wusste, wann und wo die Aliens als nächstes angriffen.

Die Aliens machten keine Gefangenen. Ihre Waffen und ihre Strategie waren darauf ausgelegt, die Menschen zu beseitigen und eine ansonsten intakte Welt zu übernehmen. Daher schossen sie auch nicht vom Raumschiff aus oder setzten Bomben oder Projektilwaffen ein. Statt dessen landeten immer nur kleine Truppenverbände und durchkämmten, für uns auf den ersten Blick ohne System, aber in Wirklichkeit mit tödlicher Systematik, das ganze Land. Dazu setzten sie eine handliche kleine Waffe ein, die nach dem Prinzip der Mikrowelle funktionierte: Aus einem Abstand von bis zu 15 Metern brachte sie die Körperflüssigkeit des anvisierten Menschen innnerhalb von wenigen Millisekunden zum Sieden. Der Dampfdruck ließ den Körper regelrecht explodieren. Das Geräusch des zerplatzenden Körpers erinnerte an den Aufprall einer entsprechend großen Wasserbombe auf hartem Steinboden.... BLAMM!

Die Aliens hatten eine Schwäche bei den Menschen entdeckt, nämlich deren allgemeinen Respekt vor der Obrigkeit. Wenn man einen Menschen nach seinem Ausweis fragt, dann vermutet er eine Obrigkeit, hält einen Moment inne, sucht nach dem Ausweis oder versucht zu erklären, warum er ihn nicht dabei hat. So hält er für einen Moment still und man kann die Mikrowellenwaffe optimal einsetzen.

Also wurde den Allientruppen eingeschärft: "Frage nach dem Ausweis, dann setze die Waffe ein." Diese Direktive befolgten die Aliens sehr genau. So kam es, dass man bald auch in den Straßen Londons immer wieder hörte: "Stop, show your identity card please!" - kurze Pause - BLAMM!

Die Aliens ähnelten uns Menschen in so fern, als dass sie wie wir auf zwei Beinen liefen. Nur waren sie alle etwas pummelig - manche waren sogar "kugelrund". Sie trugen Kampfanzüge und seltsame Helme mit einem Gesichtschutz, der an alte Gasmasken erinnerte. Sie müssen sich das ungefähr so vorstellen wie Dirk Bach auf Extasy, mit so einem modernen, nach hinten in die Länge gezogenen Radrenn-Helm. Im Gesicht eine Gasmaske und in der Hand eine Zauber-Taschenlampe, die auf Knopfdruck Menschen explodieren lässt.

In dieser Zeit lebte der Teenager Josh mit seinen Eltern und seiner kleinen Schwester Emma (10) in einem kleinen Haus in London. Oben waren die Kinderzimmer, unten das Wohnzimmer und was noch zu einer ganz normalen Wohnung gehörte. Eines Tages kamen die Aliens auch durch die Straße, wo Josh wohnte. Er musste mit ansehen, wie sie erst seine Mutter und dann seinen Vater über die ganze Wohnung verteilten. Dabei hatte Vater es tatsächlich geschafft, seinen Ausweis zu zücken. Aber Josh lernte jetzt, dass die Aliens garnicht unsere Ausweise kontrollieren wollten. Die verarschten uns bloß, bevor sie uns mit dieser Mikrowellenwaffe aus der Welt pusteten.

Zum Glück bekamen die Aliens vorzeitig den Befehl, sich im Raumschiff zurückzumelden. So überlebte Josh. Seine kleine Schwester Emma war oben in ihrem Zimmer so tief in ihrem Spiel versunken, dass sie von allem gar nichts mitbekommen hatte.

Ein Militärhauptmann a.D. und ehemaliger Afganistankämpfer, der sich "Bill" nannte war mit einer Gruppe junger Leute in London unterwegs, denen es ganz ähnlich ergangen war, wie Josh. Die Gruppe unternahm Rettungsaktionen und führte einen Guerilla-Krieg gegen die außerirdischen Killertruppen. Dabei wurden immer wieder neue Mitglieder für die Gruppe rekrutiert und Hauptmann Bill brachte ihnen alles bei, was er in Afganistan gelernt hatte. Die Gruppe war inzischen schon recht erfolgreich im Kampf gegen die Aliens. Auch Josh und Emma verdankten ihm ihre Rettung, denn der Rückruf der Aliens war eine Finte aus Bills Trickkiste. So kamen die beiden zur Gruppe.

Einige Wochen später: Die Gruppe hatte sich im Maschinenhaus der Towerbridge eingerichtet. Hier hatte man Rückendeckung und die Wachen auf dem Tower hatten einen guten Überblick. Josh lag mal wieder apathisch auf einem alten Sofa. Seine Schwester spielte und neckte die anderen Gruppenmitglieder. Plötzlich: ALARM !!! Die Aliens haben uns entdeckt und sind unterwegs hierher!

Hauptmann Bill hatte seine Leute gut ausgebildet. Jeder wusse nun, was zu tun war. Es ging darum, dass man die Stellung so lange hält, bis die wichtigsten Dinge klar zum Transport sind. Dann durchbrechen und flüchten.

Schon hörte man draußen: "Ausweis bitte .... BLAMM!". Jeder Mann wurde nun gebraucht. Auch Josh sollte sich endlich nützlich machen. Daher gab Hauptmann Bill ihm eine der erbeuteten Alienwaffen und sagte: "Richte das Ding auf jeden, der große rot-orange leuchtende Augen hat oder dich nach dem Ausweis fragt und drücke unverzüglich auf diesen Knopf!"

Durch alles, was Josh bereits erlebt und gesehen hatte, war er seelisch sehr mitgenommen. Aber er verstand den Hauptmann und in seinen Kopf brannte sich seine Direktive ein: "Alienwaffe immer bereit halten. Sofort auf alles feuern, was leuchtende Augen hat oder nach einem Ausweis fragt. Niemals zögern!"

So geimpft zog sich Josh an. Von wegen "globale Erwärmung" - draußen war es mal wieder saukalt! Unter dem Kampfanzug trug Josh daher eine dicke Daunenjacke. Seinen Kopf schützte er mit einer Pudelmütze und darüber trug er seinen Mopedhelm. Ein Schal sollte sein Gesicht warm halten. Fast sah er damit schon aus wie die Aliens... Josh ging nach draußen. Schon hörte man wieder: "Halt! Zeig mir mal deinen Ausweis." - BLAMM! ....

Auf die Aliens wirkte diese Mikrowellenwaffe offensichtlich genau so verheerend wie bei den Menschen. "Halt! ..." - BLAMM! ..... Josh kam langsam in Übung. Von den Telespielen, die er gespielt hatte, war seine Reaktionszeit ausgezeichnet.

"H..." - BLAMM! .... BLAMM! - BLAMM! .... BLAMM!-BLAMM!-BLAMM! ...

Wow, Josh räumte unter den Aliens auf! Seine Kollegen wurden dadurch richtig motiviert - um nicht zu sagen "angetörnt" und erbeuteten noch weitere Alienwaffen... Die Flucht gelang schließlich und die Gruppe richtete in einem Ort namens "Rickmansworth" ziemlich weit draußen im Nordwesten Londons wieder ein neues, geheimes Hauptquartier ein.

Von hier aus unternahmen sie in den nächsten Monaten viele Streifzüge durch London und vernichteten mehr als tausend Aliens. Schließlich gelang ihnen ein einzigartiger Fischzug. Sie konnten in das Raumschiff der Aliens eindringen - allen voran Josh...

Eigentlich wollten sie das Schiff erbeuten, um damit andere Schiffe anzugreifen. So mit dem Rücken zur Wand hielten sich die Aliens aber nicht mehr an ihre "Ausweis"-Direktive und schossen wieder ohne jegliche Vorwarnung und aus allen Lagen. Josh und sein Himmelfahrskommando mussten daher den Rückzug antreten.

Aber bei ihrem ungebetenen Besuch im Alienschiff hinterließen sie ein kleines Abschiedsgeschenk. Nämlich ein paar Grippeviren, die der tropfenden Nase eines Gruppenmitgliedes entstammten. Die Aliens dockten am Mutterschiff an, um die Schäden reparieren zu lassen. Da sich die Aliens innerhalb ihrer Schiffe ohne jegliche Schutzkleidung bewegten, kamen sie in Kontakt mit den Grippeviren und verbreiteten sie. So kam es, dass die Zahl der Aliens durch eine Grippewelle ganz erheblich dezimiert wurde, worauf sie sich vorerst von der Erde zurückzogen.

*

Etwa ein Jahr später - Ruhe ist eingekehrt.

Bis eine bessere Lösung gefunden ist dürfen Josh und Emma wieder in ihrem Elternhaus leben. Die Alienwaffe hat er immer bei sich. Man kann ja nicht wissen, ob und wann die Aliens wieder zurückkehren. Er will jederzeit bereit sein, seine Schwester zu beschützen.

Josh sitzt im Wohnzimmer und sieht sich ein altes Familienvideo an. Nach innen hinein ist er vielleicht traurig. Aber nach außen kann er es nicht zeigen. Er ist eigentlich zu keiner Empfindung mehr fähig. In ihm ist nur eine große Leere. Und er langweilt sich.

Emma hat in den vergangenen Monaten auch viel gesehen und gehört. Jetzt spielt sie oben in ihrem Zimmer - allein. Sie langweilt sich ebenfalls. Daher beschließt sie sich, ihren Bruder mal wieder zu necken, genau wie früher immer. Das würde die Langeweile für einen Moment unterbrechen...

 

Sie bindet sich ein dickes Kissen um den Bauch und setzt sich einen Topf auf den Kopf. Damit sieht sie aus wie eine Mischung aus Dirk Bach und Michel aus Lönneberga...

Dann geht sie auf die Treppe und ruft: "Zeig mir deinen Ausweis!"...
 

- ENDE -


 

Sprechen Sie Ido ?
Hermann Philipps hat diese Story für Sie in Ido übersetzt und unter www.literaturo.ido.li veröffentlicht.

Was ist Ido?
Ido ist ein Esperanto-Wort und heißt "Abkömmling". Ido ist nämlich eine aus dem wohl eher bekannten Esperanto abgeleitete Plansprache. Sozusagen ein "reformiertes" Esperanto.

Wo kann man mehr darüber erfahren?
Auf www.ido.li, finden Sie die Webseite der Ido-Gesellschaft. Außerdem habe ich ein paar Eckdaten für Sie recherchiert. Diese findenSie in der Rubrik "Wissen" in meinem kleinen Artikel über die Plansprachen Esperanto und Ido.

Wo kann man Ido lernen?
Am besten besuchen Sie wohl einen Kurs. Auf der Webseite von Hermann Philips unter www.hephi.de/ido24 finden Sie ein komplettes Lehrbuch, welches sich auch hervorragend zum Selbststudium eignet.

 


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