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3. Oktober: Tag der Deutschen Einheit

Der Tag der Deutschen Einheit ist unser Nationalfeiertag und somit auch gesetzlicher Feiertag. Wie die Nationalfeiertage vieler anderer Nationen ist er sehr geschichtsträchtig. Nur dass diese unsere Geschichte noch gar nicht sehr lange zurückliegt. Eigentlich ist dieser Teil unserer Geschichte sogar noch topaktuell und wir sind immer noch dabei, am ihrem hoffentlich guten Ende zu tüfteln...

Während in der damaligen DDR am 7. Oktober der Tag der Republik (Tag der Staatsgründung) gefeiert wurde, beging die Bundesrepublik Deutschland den Volksaufstand in der DDR vom 17. Juni 1953 als "Tag der deutschen Einheit", bzw. als "Nationalen Gedenktag des Deutschen Volkes". Zuletzt wurde der "Tag der deutschen Einheit" am 17. Juni 1990 gefeiert. Denn:

Seit erstmals dem 3. Oktober 1990 ist dies der neue gemeinsame Nationalfeiertag von Ost und West. Gefeiert wird nämlich die Zusammengehörigkeit von Ost- und Westdeutschland, sowie die Wiedervereinigung im Herbst 1990. Eigentlich hätte man als Termin für den Feiertag gern den Tag des "Mauerfalls" (9.11.89) wählen wollen, aber dieses Datum, erinnert schon an viele andere Begebenheiten während und vor dem Kriege. Also wählte man den Tag der Vertragsunterzeichnung, beinahe ein Jahr später am 3. Oktober 1990.

Um diesen Feiertag und seine Hintergründe zu verstehen, muss man sich mit der deutschen Nachkriegsgeschichte beschäftigen. Diese ist wiederum verknüpft mit der Geschichte der ehemaligen UdSSR und dem "kalten Krieg".

Die Geschichte:

Die ganze Geschichte des 2. Weltkrieges, seiner Folgen, der daraus resultierenden beiden deutschen Staaten und eine Abhandlung über die Politik der West- und Ostmächte würde den Rahmen dieses Kalenderblattes sprengen. Ich versuche hier aber trotzdem mal die wichtigsten Zusammenhänge zumindest anzusprechen, wenn ich sie schon nicht vollständig erklären kann. Hier also nur eine ganz grobe Zusammenfassung. Viel mehr erfahren Sie, wenn Sie den Links zu Wikipedia folgen und sich zu diesen Stichworten noch anderweitig belesen.

Die Geschichte in aller Kürze:

Der 2. Weltkrieg war (ganz grob gesagt) ein Krieg Deutschlands gegen den Rest der Welt. Deutschland verlor den Krieg und wurde zwischen den Besatzungsmächten aufgeteilt. Dann wurden daraus 2 neue Staaten geformt: Im Westen die Bundesrepublik Deutschland mit einer demokratischen Regierung und im Osten die Deutsche Demokratische Republik mit einer ganz auf die UdSSR ausgerichteten sozialistischen Regierung.

Nachdem in der UdSSR die strenge und festgefahrene, stalinistische Politik aufgegeben wurde und Gorbatschow das System reformierte und zum Westen hin offener gestaltete, hofften auch die Bürger der DDR, dass "Glasnost" und "Perestroika" bei ihnen ankommen mögen. Demnach hätte die DDR bald schon die Grenzen öffnen können und alles wäre gut geworden. Aber ihr Staatschef Erich Honecker war viel zu verbohrt, um mit Gorbis Hilfe eine neue, schönere DDR zu bilden. Im Nachhinein stellte sich auch heraus, dass die DDR schlichtweg zahlungsunfähig war. Das Volk flüchtete in Scharen über die sozialistischen Nachbarländer Ungarn und Tschechoslovakei, die ihre Grenzen nach Österreich hin schon geöffnet hatten. Diese protestierten wegen der vielen Menschen bei der DDR-Regierung, worauf Honni kurzerhand auch seine Ost-Grenzen dicht machte. Daraufhin kam es zu Protestdemonstartionen und in der Folge regelmäßig zu Großdemonstartionen. Schließlich fasste sich Egon Krenz ein Herz. Er löste Honecker ab, verbot den Einsatz der Schusswaffen, machte die Ostgrenzen wieder auf und lockerte auch die Einreiseformalitäten. Allerdings hagelte es sofort wieder Proteste wegen der Menschenmengen an den Grenzen zu Ungarn und Tschechoslovakei. Also beschloss das Politbüro die Grenzen ihrerseits zu öffnen. Am 9. November "fiel" die Mauer, wie man heute so gern sagt. Kurz darauf gab Krenz sein Amt ab und Gregor Gysi übernahm für kurze Zeit den Job als SED-Chef, bereitete die Wahlen vor und benannte die SED um in PDS. Am 18. März 1990 wurde die Allianz für Deutschland gewählt und regierte noch bis zur Wiedervereinigung, die mit der Unterschrift des Einigungsvertrags am 3. Oktober 1990 besiegelt wurde.

Die Geschichte etwas ausführlicher:

Die Westmächte entnazifizierten ihre Zonen, setzten dann eine neue, demokratische Regierung ein, bildeten die Bundesländer und nannten dieses neue Land "Bundesrepublik Deutschland". Die sowjetischen Besatzer hingegen gaben ihre Zone nicht her und gründeten lieber ein sozialistisches Deutschland. Das nannten sie dann "Deutsche Demokratische Republik", kurz: DDR. Berlin, die ehemalige Hauptstadt wurde in 2 Teile geteilt. Ost-Berlin fiel an die Sowjetzone, aber West-Berlin gehörte weiterhin zur Bundesrepublik. Ostberlin wurde Hauptstadt der DDR. Westberlin, die strategische Insel im Herzen der DDR war als Hauptstadt nicht bescheiden. Westberlin wurde zur diplomatischen Insel des Westens mitten in der DDR. Als Regierungssitz irgendwie nicht so der geeignete Ort. Also wählte man als nicht endgülige Lösung das kleine "Bonn" als Regierungssitz der Bundesrepublik.

Da sehr viele Bürger aus der Sowjetzone flohen, wurde die Grenze zur BRD seitens der DDR abgeriegelt. Zwischen Ost- und Westberlin, wo die Fluchtgefahr besonders groß war, wurde eine Mauer gebaut. Die übrige Grenze war keine Mauer, aber noch viel schlimmer. Hier sorgten Drahtzaun, Wachtürme, Todesstreifen und Schießbefehl, später auch automatische Selbstschussanlagen für die nach Ansicht der DDR-Führung angebrachten Konsequenzen für Grenzverletzer, nämlich für deren Vernichtung! Sie nannten diese Abschottung den "antifaschistischen Schutzwall". In Wahrheit wurden damit schlicht die DDR-Bürger eingesperrt, denn ganz nach dem Vorbild der einstigen sowjetischen Führung (Stalin/Breschnew) hatte auch der letzte große DDR-Chef Honecker sein Land nur dadurch fest im Griff, dass er jegliche Meinungfreiheit unterdrückte und jeden sofort wegsperren ließ, der irgendwie unangenehm auffiel. Und das konnte er natürlich nur tun, weil er den "eisernen Vorhang" hatte.

Nach dem Tode Breschnews und dem nur kurzzeitig amtierenden Andropow und dem alten und schließlich ebenfalls schwer kranken Brewschnew-Anhänger Tschernenko war es an der Zeit für einen jüngeren Staatchef, der die Zeichen der Zeit erkannte und wieder etwas veränderte. So wurde am 11.03.1985 der "Reformer" Gorbatschow gewählt. Er startete sofort voll durch. Innenpolitisch mit einer groß angelegten Anti-Alkohol-Kampagne und sowohl innen- als auch außenpolitisch führte er die Konzepte "Glasnost" (Offenheit) und "Perestroika" (Umstrukturierung) ein. Dieser Prozess begann während des 27. Parteitages der KPdSU im Februar 1986.

Die Geschichte 1989 - oder: Meuterei auf der "MS-DDR"

Honecker krank, Bürger demonstrieren, UdSSR macht Westpolitik und löst sich auf...

Als die Sowjetunion auf dem Gipfeltreffen des Warschauer Paktes in Bukarest am 7. und 8. Juli 1989 offiziell die Breschnew-Doktrin der begrenzten Souveränität der Mitgliedsstaaten aufgab und statt dessen die "Freiheit der Wahl" verkündete, stellte sie damit den Fortbestand der UdSSR in Frage.

Erich Honecker verlor damit einigen Rückhalt und wurde zudem noch schwer krank. und konnte sein Amt nicht mehr durchgehend ausführen. Meist ließ er sich durch das Politbüro vertreten.

Zwischenzeitlich wuchsen Zahl und Größe der Demonstrationen und über die bundesdeutschen Botschaften in Prag und Budapest und über die Grenzen anderer Nachbarstaaten nahm die Zahl der "Republikflüchtlinge" dramatisch zu. Zigtausende nutzen die gemäßigt sozialistischen Nachbarländer als Brücke in die Freiheit. Die ungarische Regierung wusste sich angesichts der Menschenmassen nicht anders zu helfen und öffnete einfach alle Grenzübergänge nach Österreich. Die CSSR protestierte energisch gegen den massiven Zustrom der DDR-Flüchtlinge.

Am 3. Oktober 1989 entschlossen sich Honecker und das Politbüro für eine Schließung der Grenzen zu CSSR, Bulgarien und Rumänien. Nun gab es zusätzlich zum "eisernen Vorhang" im Westen also noch ein Reiseverbot in die meisten "sozialistischen Bruderländer" im Osten. Die Folge: Proteste und noch mehr Demonstrationen und jede Menge peinliche Aufmerksamkeit beim Rest der Welt.

Um das wieder in den Griff zu bekommen, hätte es der Unterstützung durch die UdSSR bedurft. Honecker wäre wohl am liebsten wie einst am 17. Juni 53 wieder mit Panzern gegen die Bevölkerung vorgegangen. Aber mit "so viel Hilfe" konnte man seitens der UdSSR nun wirklich nicht mehr rechnen, denn "Gorbi" hatte mit den harten Methoden Breschnews und Stalins nichts mehr zu tun. Auf Erich Honecker, den letzten Breschnew-Anhänger durch und durch war Gorbi nicht gut zu sprechen, weil er es sogar gewagt hatte, die Veröffentlichung offizieller Texte der UdSSR, vor allem solche zum Thema Perestroika, zu verbieten. Honecker indes fühlte sich vom neuen Generalsekretär der KPdSU und Präsidenten der UdSSR Gorbatschow im Stich gelassen und war zudem inzwischen sterbenskrank.

Als im Okober 1989 die Staatsfeierlichkeiten zum 40. Jahrestag der DDR in Anwesenheit von Gorbatschow stattfanden, hörte man Rufe aus der Bevölkerung: "Gorbi, hilf uns" ... Ja, denen hätte Gorbi nun sofort geholfen, aber er konnte und wollte natürlich auch gegen die überkommene DDR-Regierung nicht mit Gewalt vorgehen. Also musste er billigend zusehen, wie sich das Volk und deren Führung selber halfen.

Die entrüstete und enttäuschte DDR-Bevölkerung, welche so große Hoffnungen in die sowjetische Perestroika-Politik setzte, führte regelmäßige Kundgebungen durch und veranstaltete zusammen mit der ev. Kirche Friedensgebete. Die sog. Montagsdemonstrationen weiteten sich vor allem in den großen Städten sehr schnell mal zu regelrechten Großdemonstrationen aus, die aber stets friedlich blieben.

Im Oktober 1989 übernahm Egon Krenz, Vorsitzender des Staatsrates und des Nationalen Verteidigungsrates der DDR zunehmend die Initiative. Er setzte sich für eine friedliche Reaktion der Sicherheitskräfte bei den Montagsdemonstrationen ein und leierte Honeckers Rücktritt an. Dazu holte er sich Rückhalt bei Volksarmee und Stasi und ließ auch Gorbi über die geplante Absetzung Honeckers informieren. Dieser nickte dazu und gab somit grünes Licht für den Plan.

So wurde die eigentlich für Ende November geplante Sitzung des Zentralkomitees (ZK) der SED ganz fix auf den 17. Oktober vorgezogen. Krenz holte noch schnell weitere wichtige Politbüromitglieder ins Boot. Und als der Genosse und Vorsitzende des ZK Erich Honecker sich zu Anfang der Sitzung routinemäßig erkundigte, ob es noch weitere Vorschläge zur Tagesordnung gäbe, meldete sich Willi Stoph und schlug als ersten Punkt der Tagesordnung vor: "Entbindung des Genossen Honecker von seiner Funktion als Generalsekretär und Wahl von Egon Krenz zum Generalsekretär" ...

Gegen Ende der Aussprache, bei der sich niemand mehr für Honecker einsetzte, resümierte Willi Stoph: "Erich, es geht nicht mehr. Du musst gehen." Nach drei Stunden fiel dann auch der einstimmige Beschluss des Politbüros. Honecker stimmte nach gutem Brauch und Sitte für seine eigene Absetzung. Aber es war eine heiße Runde, bei der auch die Ablösung von Günter Mittag und Joachim Herrmann gefordert wurde und dass Honecker nicht nur seinen Vorsitz des ZK, sondern sämtliche politischen Ämter abgeben sollte. Gesagt - getan ... Kurz darauf musste übrigens auch Margot Honecker von ihren Ämtern zurücktreten.

Egon Krenz wurde einstimmig zum neuen Generalsekretär der SED gewählt. Bei seiner Antrittsrede prägte er den Begriff "Wende". Dabei dachte er eigentlich nur an ein paar kleine Änderungen des bestehenden Systems. Aber die Presse machte das Wort sehr schnell zu einem Synonym für die allgemeine Umbruchsituation und die friedliche Revolution in der DDR.

Am 24. Oktober 1989 wurde Egon Krenz auch Vorsitzender des Staatsrates und des Nationalen Verteidigungsrates der DDR. In der Zeit darauf sorgte er maßgeblich mit dafür, dass der Schießbefehl abgeschafft und durch ein allgemeines Schießverbot ersetzt wurde.

Am 6. November 1989 veröffentlichte die neue DDR-Regierung den Entwurf eines neuen Reisegesetzes, das aber auf scharfe Kritik stieß. Die Tschechoslowakei protestierte abermals aufs schärfste gegen die Ausreise von DDR-Bürgern über ihr Land. Also beschloss das Politbüro am 7. November eine Regelung für die ständige und direkte Ausreise. In der Nacht vom 9, auf den 10. November 1989 "fiel" dann die Mauer in Berlin.

Am 3. Dezember 1989 trat das komplette Politbüro des ZK der SED einschließlich Egon Krenz zurück und ein paar Tage später gab Krenz auch offiziell den Vorsitz des Staatsrates ab. Auf einem Sonderparteitag am 9. Dezember wurde der Staats-Anwalt und inzwischen auch Medienstar Gregor Gysi zum Vorsitzenden der SED gewählt. Dieser nahm Vorbereitungen für eine erste Demokratische Wahl vor und verhandelte mit den Politikern der Bundesrepublik. Dann benannte er noch schnell die SED um in PDS und nahm dann auch seinen Hut.

Bei den ersten freien Wahlen zur Volkskammer am 18. März 1990 gewann die Allianz für Deutschland, mit Spitzenkandidat Lothar de Maizière (CDU). Auf Basis des Einigungsvertrags trat die Deutsche Demokratische Republik am 3. Oktober 1990 offiziell der Bundesrepublik Deutschland bei.

Die Weblinks nochmal im Überblick

 


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