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04.06.2015 : Fronleichnam

Was ist Fronleichnam?

Fronleichnam ist ein römisch-katholischer Hochfeiertag. Dieser steht in direktem Zusammenhang zum
Gründonnerstag (= Donnerstag vor Ostern; Tag des letzten Abendmahls vor der Kreuzigung).

Am Abend dieses Tages brach Jesus ein letztes mal das Brot und sagte in etwa: "Dies ist mein Leib, der für euch gebrochen wird." Und nach dem Abendmahl ließ Jesus den Wein-Kelch kreisen und sprach: "Das ist mein Blut des Bundes, für viele vergossen".

Abendmahlgemälde des russ. Künstlers Simon Ushakov
Gemälde des russischen Malers Simon Ushakov: 'Last Supper'
 

Was ganz genau Jesus sagte und vor allem was er damit meinte, das kann man heute unmöglich wissen, da selbst die Jünger ihn oft nicht recht zu interpretieren vermochten und niemand diese Worte unmittelbar aufgezeichnet hat. Von verschiedenen Jüngern existieren in der Bibel leicht unterschiedliche Berichte, deren Worte erst später dem Sinn nach aus der Erinnerung und nach mündlicher Überlieferung aufgeschrieben und seit dem von diversen Autoren mehrfach übersetzt und interpretiert wurden. Alle stimmen aber darin überein, dass Jesus gesagt haben muss: "Dies ist mein Leib".

Die Kirche nimmt Jesus jedenfalls ganz bei diesem Wort und geht davon aus, dass sich während der heiligen Zeremonie des Abendmahls das Brot wahrhaftig in den Leib Christi verwandelt und der Wein zu seinem Blut wird. Und noch mehr: Jesus Christus wird in dieser Form körperlich gegenwärtig.

Die Interpretation der Worte des Herrn und die damit verbundenen Theorien über die genauen Vorgänge bei der Umwandlung von Brot und Wein in den Leib Christi sind ein Streitpunkt, der die Kluft zwischen den christlichen Konfessionen verbreitert. Selbst wenn sich Protestanten und Katholiken z.B. einig darüber sind, dass die Hostie und der Wein nicht nur ein Symbol sind, sondern sich wahrhaftig in den Leib Christi verwandeln, so gibt es noch unterschiedliche Theorien über die Bedingungen, die für die Gegenwärtigkeit Christi erfüllt sein müssen (darauf kommen wir noch weiter unten im Text).

Die römisch-katholische Kirche wünscht sich jedenfalls eine Große Feier zu Ehren der Einführung der Abendmahl-Zeremonie und der damit verbundenen leiblichen Anwesenheit des Jesus Christus. Sie feiert das Fest des Fronleichnamsumzug - Foto: Andreas Gälle , Quelle und Lizenz siehe Wikipedia"Corpus Christi" zu deutsch "Leib des Herren". Oder kirchendeutsch: "Feier zur Einsetzung der Eucharistie beim Letzten Abendmahl Jesu".

Wegen des stillen Charakters der Karwoche ist am Gründonnerstag aber keine großartige Festlichkeit erlaubt. Daher hat man für die Feier einen eigenen Festtag eingeführt, nämlich Fronleichnam, den Donnerstag der zweiten Woche nach Pfingsten, 60 Tage nach Ostersonntag.

In der Praxis sieht es dann so aus, dass man in den katholischen Kirchen mit einer Fronleichnamsmesse beginnt. Anschließend findet ein festlicher Umzug statt, die Fronleichnamsprozession. Mit dabei ist eines der Schaugefäße (Monstranz) mit dem Allerheiligsten - einer gewandelten Hostie. Es findet also quasi ein Straßenfest für und vor allem auch mit Jesus Christus statt. Die Gläubigen begleiten ihr Heiligtum mit Gebeten und feierlichem Gesang und empfangen reichlich Segen.

Der Begriff Fronleichnam

Die deutsche Bezeichnung für "Corpus Christi" ergab sich aus der Übersetzung des lateinischen Begriffes ins Mittelhochdeutsche. "Corpus" - den Leib/Körper übersetzte man mit Licham oder Lichnam. Das wiederum setzt sich aus "Lich" - dem Körper und "Hama" - der Hülle zusammen und Bedeutet somit: "Hülle des Körpers". Einst bezeichnete dieser Begriff einen Untoten bzw. Wiederauferstandenen. Erst später wurde daraus das Wort "Leichnam" und die Bedeutung einer toten Körperhülle. Zu "Licham" kam die Übersetzung für "Christi" als "göttlich" wofür das Wort "vron" stand. Wir fassen zusammen: Aus "vron - lich - hame" ergab sich "Vron Licham" oder "Vronlichnam". Daraus wurde "Fronleichnam".

Spötter verreißen das zu "Frohnleichnam", woraus sich die Ulk-Bezeichnung "Happy Kadaver" abgeleitet hat. Auch ältere, regionale Begriffe wie "Blutstag" oder "Prangertag" erinnern mehr an die Kreuzigung als an das Abendmahl. Am genauesten ist eben der international verbreitete, lateinische Name: "Corpus Christi". In der kirchlichen Liturgie heißt das Fest offiziell: "Hochfest des Leibes und Blutes Christi".

Gesetzlicher Feiertag nur bei den Katholiken

Im katholischen Kirchenjahr wird die Einsetzung der Eucharistie und die leibliche Gegenwart Jesu Christi als Hochfest begangen. In den katholisch geprägten Bundesländern Bayern, Saarland, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, sowie in Hessen und einigen Gemeinden mit überwiegend katholischer Bevölkerung ist Fronleichnam daher gesetzlicher Feiertag oder es gelten irgendwelche Sonderregelungen.

Die evangelische Kirche pflegt durchaus die Sitte des Abendmahls zu bestimmten Anlässen (Abendmahlsgottesdienste), vor allem natürlich am Gründonnerstag. Dabei glaubt man auch an die wahrhaftige Gegenwart Jesu Christi und behütet die heiligen Gaben. Die übertriebene Verehrung der heiligen Utensilien lehnt die evangelische Kirche aber ab und hält es auch nicht für sinnvoll, daraus eine große Feier zu machen. Im Gegenteil: Martin Luther lehnte das Fronleichnamsfest entschieden ab. Somit feiern die Protestanten kein Fronleichnamsfest. In vorwiegend evangelischen Bundesländern gilt Fronleichnam daher auch nicht als gesetzlicher Feiertag.

Auch der orthodoxen Kirche ist die Verehrung des zur Anbetung ausgesetzten Allerheiligsten völlig unbekannt. Man sieht ebenfalls keinen Anlass für ein gesondertes Fest.

Der Termin und die beweglichen Feiertage

Durch den Zusammenhang mit Gründonnerstag und dem Osterfest gehört Fronleichnam zu den beweglichen Feiertagen. Die folgende Zeittafel veranschaulicht den Zusammenhang. Daraus wird auch ersichtlich, dass die Osterzeit mit Fronleichnam endet.

Feiertag Abstand zum Osterfest
Gründonnerstag
(Das letzte Abendmahl)
-3 Tage
Karfreitag
(Tag der Kreuzigung)
-2 Tage
Stiller Karsamstag
(Tag der Grabesruhe)
-1 Tag
Ostersonntag
(Auferstehung)
0
Ostermontag +1 Tag
Feiertag Abstand zum Osterfest
Christi Himmelfahrt (Dieser Donnerstag ist auch als Vatertag bekannt) +39 Tage
Pfingstsonntag
(50. Tag nach Ostern)
+49 Tage
Pfingstmontag +50 Tage
Fronleichnam
(Die Feier der leiblichen Gegenwart Christi)
+60 Tage

Geschichtliches zur Einführung des Fronleichnamsfestes

Wie oben erwähnt, ist Fronleichnam ein Ersatztermin für Gründonnerstag, damit das "Hochfest des Leibes und Blutes Christi" richtig laut und ausgiebig gefeiert werden kann. Das Fest und der Termin wurden offiziell im Jahr 1264 von Papst Urban IV. für die ganze Kirche vorgeschrieben. Und zwar durch die Bulle "Transiturus de hoc mundo".

Im darauf folgenden Jahrhundert waren es vor allem die Dominikaner, die das Fest überall im Heiligen Römischen Reich bzw. in ganz Europa verbreiteten. Nachdem Papst Urban IV. seine Fronleichnamsbulle im Jahre 1264 erlassen hatte, dauerte es allerdings noch knapp 40 Jahre - und summa summarum 12 nachfolgende Päpste ignorierten das eingeführte Fest einfach, bis Papst Clemens V. 1311 beim Konzil von Vienne die Bulle Transiturus erneuern ließ und ausdrücklich befahl, dass diese zu befolgen sei.

Seither war es üblich, sich am Vortag gründlich durch Fasten, Gebete, und gute Werke vorzubereiten, auf dass man am Festtage frohen und guten Herzens das süße Sakrament empfangen könne.

Leider wurde Papst Clemens V. krank und starb kurze Zeit nach dem Konzil, so dass er selbst nicht mehr dazu kam, aber sein Nachfolger Papst Johannes XXII. vervollständigte sein Werk, indem er 1317 die Dekrete des Konzils von Vienne öffentlich machte und dazu noch anordnete, dass das Fronleichnamsfest mit "Oktav" zu feiern und der göttliche König in Prozessionen über die Straßen und Plätze bis weit hinaus in die Felder zu tragen sei.

Die Visionen der heiligen Juliana

Ausschlaggebend für die Einführung des Fronleichnamsfestes durch Papst Urban IV. waren die Visionen einer Nonne, die man schon zu Lebzeiten gern als heilig ansah. Tatsächlich wurde sie erst im Jahre 1869 offiziell heilig gesprochen.

Bistum Lüttich (grau) ; Bild lizenzfrei, Quelle: WikipediaAls Juliana fünf Jahre alt war, starben ihre Eltern Heinrich und Frescende in Retinne. Sie und ihre ein Jahr ältere Schwester Agnes kamen zur Pflege ins Kloster der Augustiner-Chorfrauen von Mont Cornillon am Rande der Stadt Lüttich, dem heutigen Liège in Belgien, siehe grauer Bereich in der Abbildung links.

Die Ordensschwester Sapientia, welche mit der Erziehung der beiden Mädchen betraut war, gab ihnen eine gute Ausbildung, auch wenn die Oberin den Mädchen eine eher niedrige Aufgabe als Dienstmädchen auf dem Wirtschaftshof zugedacht hatte. Juliana lernte rasch Lesen und bald auch genügend Latein, um sich mit diversen Schriften vertraut zu machen. Während Agnes sanft und eher einfach war, sprudelte Juliana vor Energie tat sich durch freiwillige Gottesopfer hervor. Sie war besonders gelehrig und dabei doch so demütig und so bescheiden. Mit 13 Jahren legte sie ihr Gelübte ab, denn Schwester Sapientia - inzwischen Priorin - kannte Julianas Qualifikation und holte sie als Novizin in die Ordensgemeinschaft.

Von der Abendmahlzeremonie war Juliana derart fasziniert, dass all ihre Gedanken nur noch darum kreisten und es sie schließlich sogar bis in ihre Träume verfolgte. Es steht geschrieben, dass ihre Eucharistie-Visionen 1209, also mit 15 Jahren begannen. Tatsächlich war sie von der Gegenwart Christi im heiligen Altarssakrament so angetan, dass sie gar nicht genug davon bekommen konnte. Am liebsten wollte sie jeden Tag Christus in der heiligen Kommunion empfangen dürfen. Das war damals aber nicht üblich. So stillte sie ihr Verlangen, indem sie sich möglichst häufig in der Nähe des Allerheiligsten aufhielt und die Bildnisse der Abendmahlszene betrachtete. Dabei geriet sie ins Träumen.

Irgendwann begann sich ein ganz bestimmter Traum zu wiederholen: Sie sah den Vollmond in seiner leuchtenden Pracht. Aber er wurde durch einen dunklen Makel entstellt. Da sie keine Erklärung dafür hatte, erkundigte sie sich bei den Leuten im Kloster, die es ihrer Meinung nach wissen könnten. Aber niemand konnte ihre Mond-Visionen deuten.

Sapientia, jetzt bereits Oberin, kannte Julianas besonderen Hang zur heiligen Kommunion und richtete ihr ein Oratorium mit Blick auf das Allerheiligste in der Kirche ein. Dort verbrachte Juliana täglich viele Stunden. Sie betete zu Christus und bat um eine Erklärung für ihre Visionen.

Und sie bekam eine Antwort von Jesus höchstpersönlich: Der Mond bedeutet das Kirchenjahr. Der dunkle Makel ist ein Hinweis auf eine Lücke im Zyklus des Kirchenjahres. Und zwar fehle ganz konkret ein eigenes Fest zu Ehren des heiligsten Sakramentes. Eines, das wesentlich feierlicher als dies am Gründonnerstag sei, denn in der Karwoche waren die Gläubigen mehr mit seinem Leiden beschäftigt. So offenbarte also der Herr persönlich seinen Willen zur Einführung des Fronleichnamsfestes. Zugleich gab Christus der jungen Nonne den Auftrag, seinen Willen der ganzen Welt zu verkünden.

Juliana aber fühlte sich nicht im Stande, diesen Auftrag zu erfüllen. Sie schwieg viele Jahre. Irgendwann vertraute sie sich einigen wenigen Mitschwestern und vor allem ihrer Freundin Eva an, die als Rekluse in der Kirche weilte.

Juliana und ihre Freundin, die "Selige Eva"

Eva war eigentlich ein ganz weltliches Kind. Lernte dann aber Juliana und ihren Hang zum Allerheiligsten kennen und ließ sich dazu überreden, sich als Rekluse (Inkluse) in der Martinskirche in Lüttich einschließen zu lassen, wo sie sich ganz der Anbetung des Allerheiligsten widmete. Juliana besuchte ihre eingeschlossene Freundin Eva regelmäßig und teilte ihr ihre Visionen und ihr großes Verlangen mit. Aber erst mehrere Jahre nach dem ihr Jesus im Traum erschienen war, wagte Juliana es, ihre Freundin Eva einzuweihen. Eva intensivierte daraufhin ihre eigenen Gebete und Bußwerke, um Juliana zu unterstützen. Schließlich hatte auch sie eine Vision.

Nachdem Juliana 1230 die Nachfolge der Oberin Sapientia angetreten hatte, fasste sie sich ein Herz und begann mit der Ausführung ihres Auftrages. Sie teilte den hohen Herren des Ordens und der Diözese sowie einigen anderen hochgebildeten Herren den Willen Jesu Christi mit. Alle reagierten recht positiv.

Robert von Thourotte, der Bischof von Lüttich hörte ihr besonders aufmerksam zu. Und beschloss nach reiflicher Überlegung, das Fronleichnamsfest in seiner Diözese einzuführen. Das war im Jahre 1246.

Der dominikanische Philosoph und Theologe Thomas von Aquin, Mitbegründer der katholische Eucharistielehre ließ sich von Julianas Vision inspirieren und trug mit seinen Hymnen zum Fronleichnamsfest wesentlich zur Ausgestaltung des Festes bei.

Aber es gab auch Neider und heftige Gegner(innen) im Kloster. Nachdem Oberin Juliana ernsthaft gemobbt und wiederholt aus dem Kloster vertrieben wurde - weil sie angeblich eine zu strenge Zucht in ihrem Kloster eingeführt hatte - gab sie 1248 ihren Posten als Oberin des Klosters Mont-Cornillon auf und nahm für kurze Zeit Zuflucht bei ihrer Freundin, der Rekluse Eva.

Aber die Hetzjagt auf Juliana hörte nicht auf und dann starb auch noch ihr Gönner und Beschützer, der Bischof von Lüttich. Mehrfach fand sie Zuflucht in anderen Klöstern. Doch immer wieder wurde sie vertrieben. Nichtmal als sie über die Landesgrenze flüchtete, wollte man von ihr lassen. In Fosses, gut 80 Kilometer östlich von Lüttich, fand sie schließlich eine Unterkunft als Rekluse und da man eine Eingeschlossene nicht vertreiben kann, hörte die Treibjagt langsam auf. Am Ostertag des Jahres 1258 starb die Rekluse Juliana. Aber nicht einsam und unbemerkt in ihrer Zelle, sondern auf den Stufen des Kirchenaltars unter Anbetung des Allerheiligsten und nachdem sie eine letzte heiligen "Wegzehrung" zu sich genommen hatte.

Der ehemalige Archidiakon von Lüttich, der später (1251) zum Bischof von Verdun erhoben und 1261 dann zum Papst gekrönt wurde (ja, die Rede ist von Papst Urban IV.) erinnerte sich sehr gut an Juliana und ihre Freundin Eva, als er die Bulle "Transiturus" verfasste und damit den Willen des Herren der ganzen Welt öffentlich machte.

 

Der Streit um die wundersame Verwandlung von Brot und Wein zu Jesus

Im 11. Jahrhundert bereits wurde durch den Gelehrten und Dialektiker Berengar von Tour ein Streit losgetreten, bei dem es darum geht, ob

A) Brot (Hostie) und Wein sich nach althergebrachter Behauptung der Theologen verhält,
also infolge der Konsekration verwandelt sich die Substanz von Brot und Wein in die Substanz von Jesus Christus. Die Akzidenzien (die äußeren Merkmale) von Brot und Wein bleiben zwar erhalten, jedoch ist darin nun Jesus Christus gegenwärtig.

B) oder ob alles wissenschaftlich erklärbar und nach dialektischer Logik vorgeht,
also Brot und Wein durch die Konsekration lediglich zu einem heiligen Sacramentum werden, zu einem Symbol und Unterpfand des Leibes und Blutes Christi; ohne wundersame, unsichtbare Verwandlung der Substanzen. Allein durch den geistigen Genuß des Brotes und Weines wird der Gläubige gestärkt und erlebt die mystische Vereinigung mit dem himmlischen Christus, während der Ungläubige natürlich nichts empfängt, da ihm die Elemente nichts anderes als Brot und Wein sind.

Bis heute scheiden sich die Geister, nämlich in jene, die an Gott und an Jesus einfach glauben wollen und somit auch alles für möglich halten, was die Kirche verspricht - und in jene, die alles kritisch hinterfragen und nicht einfach nur glauben können oder wollen.

Denen, die Gott und die Welt in Zweifel stellen, kann nicht geholfen werden. Aber für bekehrungsfähige Zweifler, die einfach nur nicht an die Verwandlung von Brot in den Leib Jesu glauben können (so wie einst Berengar von Tour), gibt es hier noch einen schönen Erklärungsversuch in Form eines Gleichnisses, wie das die Christen so mögen:

Wir glauben, dass es die Europäische Wirtschaft gibt. Und wenn deren Instrument, die Europäische Zentralbank bedrucktes Papier ausgibt und uns garantiert, dass es den aufgedruckten Gegenwert in Euro wert ist, dann glauben wir das. Somit ist es möglich, dass aus Papier ein wertvolles Zahlungsmittel wird. Ein kritischer Mensch, der die Europäische Wirtschaft anzweifelt, bzw. besagte Bank nicht kennt, schaut das Geld an und sagt: Ich sehe keinen reellen Zahlungswert. Ich sehe nur bedrucktes Papier. Doch wir wissen es besser: Es riecht zwar manchmal komisch und schmeckt nicht sonderlich wertvoll und es ist in der Tat nur bedrucktes Papier - aber zugleich ist es Geld!

So, nun übertragen wir das auf die Hostie:

Wir glauben, dass es Gott gibt. Und wenn dessen Instrument, die Kirche Hostien ausgibt und uns garantiert, dass es dem heiligen Leib Christi entspricht, dann glauben wir das. Somit ist es möglich, dass aus Backwerk das Allerheiligste wird. Ein kritischer Mensch, der Gott anzweifelt bzw. die besagte Kirche nicht kennt, schaut das Allerheiligste an und sagt: Ich sehe keinen reellen Leib Christi. Ich sehe nur eine gemusterte Hostie. Doch wir wissen es besser: Sie riecht zwar nach nichts und schmeckt auch nach nichts (sie ist ja auch hoffentlich nicht durch so viele Hände gegangen, wie das Geld). Es ist eben tatsächlich nur gemustertes Esspapier - aber zugleich ist es der Leib Christi!

Der Beginn des Monstranzenkults

Monstranz - Foto: Angela Monika Arnold , Quelle und Lizenz siehe WikipediaDer einfache Bürger dachte früher ja eher einfach und praktisch und konnte dem Gedankengang der hochgebildeten Theologen meist nicht ganz folgen. So wurde von der Transsubstantiationstheorie nur so viel verstanden, dass die heiligen Zugaben sich in der Tat in den Leib Christi verwandeln. Und das haben sich die Gläubigen Menschen derart bildlich vorgestellt, dass kaum noch jemand das Abendmahl zu sich nehmen wollte. Statt dessen begnügte man sich damit, die Kelche mit den darin aufbewahrten Hostien und dem Wein ehrfurchtsvoll anzuschauen und sich zu bekreuzigen.

Fronleichnamsumzug - Foto: Andreas Gälle , Quelle und Lizenz siehe WikipediaDie bereits umgewandelten Hostien, in denen ja Jesus Christus auf unbestimmte Zeit gegenwärtig war, durften natürlich nicht weggeworfen werden. Also mussten die Hostien, die niemand essen wollte oder die noch nicht zum Einsatz kamen, sehr sorgsam in einem speziellen, verschließbaren Schränkchen, dem Tabernakel aufbewahrt werden.

In dem festen Glauben an Christi Gegenwart beteten die Gläubigen nun diese Gefäße oder den Tabernakel an. Also wurden eigens dafür prächtige Schaugefäße - die Monstranzen (siehe Bild links) - angefertigt und diese an geeigneter Stelle ausgestellt.

Während der Fronleichnamsprozession werden Monstranzen auf besonders festlich hergerichteten Altären ausgestellt und der Priester trägt eine davon feierlich zur Schau (siehe Bild rechts).

Tabernakel

Auch heute noch werden die umgewandelten Hostien im Tabernakel aufbewahrt. Dieser ist in vielen alten Kirchen fest auf dem Altar oder in einer Nische montiert. Auf Grund einer Tabernakelgesetzänderung befindet sich der Tabernakel separat in einer Seitenkapelle oder auf einer Stele.

Tabernakel auf einer Stele
Tabernakel zur Aufbewahrung des Allerheiligsten
hier ganz modern auf einer Stele in St. Maria in Sehnde.
Ausschnitt aus einem Foto von Matthias Feige
Originalfoto und Infos zu Lizenz und Quelle siehe Wikipedia

Warum Fronleichnam nichts für die Protestanten ist

Der Reformator Martin Luther bezeichnete 1527 das Fronleichnamsfest als das schädlichste aller Feste und hielt es sogar für "Gotteslästerung", denn er hatte ein etwas anderes Verständnis von der Konsekration.

Luther ging zwar konform mit der Ansicht, dass Jesus Christus bei der Abendmahlsfeier wirklich gegenwärtig ist, aber er vertrat die Konsubstantiationslehre, wonach Christus nur beim Empfang von Brot und Wein in diesen Gaben gegenwärtig ist und nicht außerhalb der Abendmahlfeier. Die heilige Zugabe verwandelt sich nicht endgültig und substanziell, sondern nimmt für einen gewissen Zeitraum gleichzeitig zwei Zustände ein. Brot bleibt daher Brot und ist zugleich der Leib Christi. Wein bleibt Wein und ist zugleich das Blut Christi. Aber nach der Zeremonie ist der Zauber vorbei. Daher behandelt man die heiligen Zutaten zwar mit der gebotenen Ehrfurcht, aber man macht daraus keine Heiligenfigur und betet sie nicht an, denn das würde gegen das erste Gebot verstoßen.

Das folgende Bild demonstriert das evangelische Aufbewahrungssystem nach der Abendmahlsfeier im Dom der finnisch-lutherischen Kirche zu Helsinki. Die benutzten Kelche stehen in der oberen Reihe, die noch unbenutzten in der Reihe darunter. Diese Form der Aufbewahrung ist allerdings das Maximum des Aufwandes, der in evangelischen Kirchen betrieben wird. Eher ist es doch üblich, daß die übriggebliebenen Zutaten in einem Gefäß gesammelt und gelegentlich mit der notwendigen Ehrfurcht entsorgt werden; beispielsweise durch den andächtigen Verzehr.


Foto eines mir namentlich nicht bekannten Wikipedia-Nutzers
Originalfoto und Infos zu Lizenz und Quelle siehe Wikipedia

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