Telespiel, Videospiel, Spielkonsole
Geschichte vom ersten Telespiel bis hin zur Nintendo-Wii(TM), der momentan angesagtesten und genialsten TV-Spielkonsole für die ganze Familie

Titelbild: Spieleklassiker "Pong" von 1972
Der Anfang
Von der Spielidee bis zur Vermarktung
Die ersten Computer bzw. Rechenmaschinen auf Basis von mechanischen Relais - später dann Röhrentechnik - füllten noch ganze Säle. So etwas besaß kein Privatmensch. Sie standen in den Laboren der Wissenschaftler und Ingenieure. Damit experimentierten sie, um deren Funktionsweise zu begreifen und zu verbessern. Sie nutzten die ersten automatisch ablaufenden Programme nicht nur für wissenschaftliche Berechnungen, sondern programmierten damit auch kleine Spiele, die den wissenschaftlichen
Alltag
etwas auflockerten. Ein Lochkartenstanzer war zugleich Eingabestation als auch Ausgabegerät. Aber dann fand man sehr
bald auch Wege, wie man die im Computer gespeicherten Werte auf einem Bildschirm mit Kathodenstrahlröhre ausgeben kann. Das war nicht so einfach, wie man es sich heute vielleicht vorstellen
mag. Wenn der Computer als Ergebnis einer Berechnung irgend eine digitale Bitfolge ausgab, wie wandelte man die nun in ein für den Menschen verständliches Ergebnis um? Erster Ansatz für die Ergebnisausgabe war eine Art Oszilloskop. Je nach Eingangspegel konnte ein Leuchtpunkt auf der Mattscheibe bewegt werden. So konnte man die Kurve einer Funktion Punkt für Punkt berechnen und dann ebenfalls Punkt für Punkt auf den Schirm 'plotten'. Dabei hatten die beteiligten Wissenschaftler und Studenten bereits viel Spaß
mit dem lustigen Leuchtpunkt. Sie "spielten" damit herum und erfuhren dabei mehr über seine Funktionsweise.
William Higinbotham erfand zwar nicht das erste Computerspiel, aber wohl das allererste Videospiel,
welches
nicht nur im Labor von Wissenschaftlern oder Studenten gespielt wurde, sondern erstmals zur Unterhaltung des Publikums erdacht war. Das elektronische Bildschirmspiel
"Tennis for two" lief auf einem Oszilloskop, das an einem Analogcomputer angehängt war. Es diente am Tag der offenen Tür des Kernforschungszentrums
"Brookhaven National Laboratory" (BNL) 1958 als Blickfang und als absoluter Publikumsmagnet. Ein Video bei Youtube zeigt an Hand eines Nachbaus die Funktion dieses Telespiel-Dinos. Ein anderes Video zeigt Peter
Takacs, der das
Spiel ebenfalls nachgebaut hat und der ein wenig über William Higinbotham und die alten Zeiten plaudert.
Eigentlich war die Bildschirmtechnik schon Anfang der 50er so weit entwickelt, dass man von der primitiven Direktansteuerung der Bildröhre weggekommen war. Man verwendete statt dessen einen Zeilenmonitor ähnlich einem Fernsehbildschim. So konnten Zahlenwerte und auf Wunsch auch Buchstaben in für Menschen lesbaren Zeichen angezeigt werden. Schon weit vor "Tennis for two" gab es erste Spiele. Am bekantesten war Noughts and Crosses (Auch als OXO bekannt), eine Umsetzung des Spiels "Tictactoe" auf einem damaligen Hochleistungsrechner (EDSAC).
Über die Ansteuerung einzelner Bildpunkte kann man auch Linien oder
die Kurve einer Funktion ausgeben. Gibt man nun einen einzelnen Punkt auf
dem Bildschirm aus, erzeugte dann einen weiteren Punkt daneben, löschte den vorherigen Punkt und erzeugte wieder einen Punkt und so weiter, dann entsteht der Eindruck, als ob sich der Punkt über den Bildschim bewegt. Die Bahn auf der sich dieser Punkt bewegt, kann wie bei der mathematischen Kurve über eine Rechenfunktion bestimmt werden. Mit dieser und anderen Möglichkeiten der Bildschirmausgabe experimentierten und spielten die beteiligten Leute ausgiebig herum. So entstanden neben wichtigen Simulationen für
die Weltraumforschung auch einige weitere Spielideen. Bislang aber nur als wissenschaftliches
Experiment oder in Folge
der Kreativität diverser Studenten auf den Hochleistungsrechnern der Forschungslabors und Universitäten.
Erst Anfang der 70er Jahre, als die Transistoren die Röhren abgelöst hatten und dadurch alle Fernseher, Radios und sonstige Elektronikartikel kleiner, leichter und billiger wurden, kam das erste sehr einfachen Computerspiel in Form einer handlichen Konsole auf den Markt. Sie enthielt noch keinen Mikroprozessor. Statt dessen nutzte sie nur eine Hand voll fest verdrahtete Transistoren, Dioden, Widerstände und Kondensatoren. Das ganze wurde mittels HF-Modulator direkt am Antenneneingang eines handelsüblichen
Fernsehers angeschlossen.
Der Deutsch-Amerikaner Ralph Baer begann bereits 1968 mit der
Entwicklung der allerersten Spielkonsole für den Heimgebrauch. Der Lautsprecherhersteller Magnavox übernahm die Massenproduktion und verkaufte das Gerät ab 1972 unter dem Namen "Magnavox Odyssey". Es beruhte auf einem Schaltkreis mit
nur einer Hand voll Transistoren und war gerade eben in der Lage, ein paar helle Bildpunkte auf dunklem Hintergrund darstellen. Einen Punktezähler gab es nicht. Es reichte nichtmal für eine Spielfeldumrandung. Aber Ralph Baer meldete seine Erfindung zum Patent an. Damit war der "Television Gaming Apparatus" - zu deutsch: das Telespiel rechtlich geschützt.

Die Firma Atari stellte kurze Zeit später die Spielekonsole "Pong" her, die der Magnavox-Konsole verdächtig ähnlich war. Aber Pong war bereits weiter entwickelt. Das Gerät stellte alle notwendigen Elemente einschließlich Punktezähler auf dem Bildschirm dar. Mit Drehreglern (Potentiometer) - später auch mit Schiebereglern konnte
man die Positionen zweier Linien verändern, welche als Schläger fungierten. Ein virtueller Ball (etwas
dickerer Punkt) wurde damit über den Bildschirm dirigiert. Wenn der Ball irgendwo abprallte ertönte ein "Blip". Verfehlte man den Ball, dann zählte das Gerät automatisch die Punkte. Und das alles noch immer ohne Computer oder Mikrochips mit nur einer Hand voll Transistoren und einigen anderen diskreten Bauelementen. Die Atari-Pong-Konsole wurde zu einem Verkaufsschlager. Für Kneipen und andere öffentliche Orte gab es von Atari die ersten Videospiele mit Münzeinwurf.
Die Firma Magnavox, die ja ein grundsätzliches Patent auf alle Geräte dieser Art hielt, verklagte Atari auf Zahlung von $700.000 für die Nutzung des Patents. An Hand eines Gästebucheintrages konnte Magnavox sogar beweisen, dass Nolan Bushnell, der Gründer von Atari höchstpersönlich im Frühjahr 1972 anlässlich einer Vorführung deren Spiel "Odyssey" gesehen und gespielt hatte. Atari zahlte brav, durfte nun das Patent auch weiterhin nutzen und verdiente Millionen damit. Magnavox hingegen gewann noch Klagen
gegen weitere Hersteller, feierte aber mit den eigenen Telespielen keine so großen Erfolge mehr. Der Elektronikkonzern Philips kaufte Magnavox und stellte die Odyssey bzw. deren Nachfolger noch eine Weile unter dem Namen Philips G7000 her. Atari blieb aber uneinholbar der König der Telespielhersteller.
Auch ich hatte in meiner Jugend (so um 1977 herum) sehr viel Spaß mit einem solchen "Telespiel", wobei es sich nicht um ein original Atari handelte, sondern um ein deutsches Produkt aus dem Hause Interton.
Das Telespiel "Video 3000" enthielt neben der Tennis-Simulation noch eine ganze Anzahl Spielvarianten. Je nach Einstellung der Ball- und Schlägergröße bzw. Anzahl der
Schläger
und der Spielfeldumrandung erhielt man die einfache aber äußerst Unterhaltsame Simulation der Spiele Squash oder Tennis (bzw. Pingpong). Außerdem gab es auch eine Simulation mit je 2 Schlägern und je einem Tor in das man treffen musste.
Also hatte man jeweils einen Feldspieler und einen Torhüter, woraus sich die Fussball-Simulation ergab. Außerdem gab es ein Licht-Gewehr, mit dem man auf einen etwas größeren Lichtpunkt auf dem Bildschim zielen konnte. Das ergab ein virtuelles Tontaubenschießen.
Die verwendete Elektronik war wirklich minimal. In den Steuerungen befanden sich nur Potentiometer. Und in dem High-Tech-Gewehr fand mein einen lichtempfindlichen Widerstand. Die Konsole enthielt eine Platine mit ein paar Transistoren, Dioden, Widerständen, u.s.w. Ein HF-Modulator sorgte dafür, dass man das Gerät an jedem Fernseher anschließen konnte. Das Bild kam vom Fernseher, der Ton vom Telespiel selbst. Übrigens wird oft gesagt, dass diese Spielkonsole nur über die 2 eingebauten Regler verfügte. Tatsächlich
gab es aber zusätzlich auch 2 Kabelfernsteuerungen.
Im Laufe der Zeit kamen Konsolen verschiedener Hersteller heraus. Mit der Entwicklung der Mikrochips und der ersten Mikroprozessoren kamen gegen Ende der 70er Jahre auch programmierbare Spielekonsolen auf den Markt. D.h. das Gerät war nur noch der Abspielcomputer.
Die Spiele befanden sich nun in
Form von Software auf den Speicherchips der austauschbaren Spielemodule. Nicht nur dass man die Spiele nun austauschen konnte, man hatte auch die Wahl zwischen etlichen Spieleleveln. Die Entwicklung der neuen Spielkonsolen verschlang allerdings mehr Geld, als der Atari-Gründer Bushnell aufbringen konnte. Daher verkaufte er den Laden für 28 Mio Dollar an den Medienriesen Time Warner, der das Label noch eine ganze Weile in Ehren hielt und mit der Atari 2600 alle Kosten wieder hereinholte.Die Konsole Atari 2600
wurde sehr bekannt. Ich selbst (inzwischen schon 20 Jahre alt) kaufte mir dieses Gerät im Jahre 1982. In den Jahren darauf sammelten sich
einige Spiele an. Am liebsten mochte ich Weltraum-Shooter wie "Space Invaders", "Defender" und "Missile Command".
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